Alumni des Monats April: Dr. Annett Käding-Koppers

ZUR PERSON:

Dr. Annett Käding-Koppers

New Business Development Manager Brückner Maschinenbau GmbH & Co. KG

Als Polymerchemikern erlernte ich mein Handwerkszeug im Business  im Bayerkonzern und nachfolgend bei einem global operierenden, mittelständischen Folienhersteller und Converter von Kunststofffolien, vornehmlich für die Lebensmittelverpackung. Nach dem klassischen Einstieg als Projektmanager im Bereich Forschung und Entwicklung folgten Führungsaufgaben als Laborleiterin in der Qualitätskontrolle, als Betriebsleiterin einer Mehrschichtproduktion für Extrusion und Klebstoffkaschierung von Kunststofffolien, mit dem Aufbau und der Leitung des europäischen Innovations- und Nachhaltigkeitsmanagements, sowie der Führung und Weiterentwicklung der europäischen Forschungs- und Entwicklungsorganisation. Meine Erfahrungen daraus konnte ich in der Aufgabe als Europamanager für Markt- und Neugeschäftsentwicklung durch nachhaltige Verpackungskonzepte vollständig einbringen, vor allem in Kooperation mit global operierenden Industriepartnern entlang der Verpackungswertschöpfungskette. Kunststoff versus Aluminium – was ist nachhaltiger? Ein immerwährendes Wechselspiel in der Verpackungsbranche und nicht einfach zu beantworten, da beide Wertstoffe wiederverwendbar sind. Als Leiterin für technisches Key-Accountmanagement und Innovation führte mich mein beruflicher Werdegang in die Schweiz zum Marktführer im Aluminiumtiefzug von Premium-Kaffeekapseln. Schnelle Veränderungen durch Digitalisierung, E-Commerce versus Direktverkauf, Globalisierung und harter Wettbewerb im globalen Kaffeemarkt, der Switch vom analogen zum digitalen Denken, von Teamführung zu Teammitarbeit in Millisekunden – das ist das Leben in der VUCA-Welt, die Herausforderung für Unternehmen und Mitarbeiter.

Die Universität St. Gallen als eine der führenden Wirtschaftsuniversitäten Europas und Klitschko Ventures haben dieses Thema mit dem CAS Change und Innovation Management brillant und «just in time» aufgegriffen. Ich entschloss mich für ein berufliches Sabbatical und Weiterbildung. Die Firma Brückner Maschinenbau, innovativer Marktführer im Maschinenbau zur Herstellung biaxial orientierter Kunststofffolien, eröffnete mir die Möglichkeit, meine Erfahrung und Ausbildung im Bereich Innovationsmanagement anzuwenden und in die Unternehmensentwicklung einzubringen.

 

Frage 1: Der Abschluss des Lehrgangs ist nun schon einige Monate zurück? Was hat sich seitdem für Sie geändert?

Während des Studiums habe ich mich sehr intensiv mit meinem persönlichen «Why» und meinen Werten beschäftigt. Ich bin nicht mehr bereit, dort Kompromisse einzugehen. So sind Fairplay, Integrität und vertrauensvolle Kommunikation für mich die Basis für erfolgreiche Partnerschaft und Zusammenarbeit, um miteinander zu wachsen.

Berufstätigkeit in der heutigen VUCA-Welt bedeutet agile, interdisziplinäre Teamarbeit, hierarchieübergreifend, mit klarer Strategie, Zielen und Regeln zur Kommunikation und Entscheidungsfindung. Der Teamerfolg geht vor Einzelerfolg. Ein Team ist wie eine Seilschaft, die das Jungfraujoch erklimmt – einer für alle, alle für einen. Klarheit über die Aufgaben und Verantwortlichkeiten eines jeden einzelnen, sowie die Definition des Teamleiters mit seiner Entscheidungsbefugnis sind mir wichtiger denn je. Absprachen im Team sind für mich verbindlich, denn Nichteinhaltung gefährdet den Teamerfolg, vermindert die Motivation und Dynamik aller und belastet das gesundheitliche Wohlbefinden unnötig.

Frage 2: Sie sind in der Verpackungsbranche tätig. Können Sie uns die neuesten Trends aus Ihrem Bereich verraten? Wie macht sich der digitale Wandel bemerkbar?

Die Verpackung ist das Marketing für das Produkt am Point of Sales. Die Verpackung ist aber auch, Produktschutz bei Lagerung und Transport, «Convenienceprovider» während der Nutzungsphase und Wertstoff für stoffliche oder energetische Verwertung in der Umwelt- und Abfallwirtschaft. Zu den aktuellen Megatrends als Innovationstreiber gehören:

Differenzierung und Brandbuilding am Point of Sales durch kreatives Packdesign (z.B. «natural look»), bedienungsfreundliche Formen und interaktive Features (z.B. #Augmented Reality),

Industrie 4.0 – die Anforderung, z.B. durch selbstlernende, intelligente Maschinenprogramme (# AI), fehlerfreie Qualität und Kostenführerschaft in jeder Fertigungsstufe zu erreichen,

Digitalisierung, die es einerseits ermöglicht, Big Data Transfer zwischen den Prozessstufen/Werken zu ermöglichen (#Rückverfolgbarkeit, Transparenz), und andererseits die kommunikative Interaktion der Verpackung mit dem Endkunden ermöglicht: Über Barcode, QR-code, Printed Electronics oder Augmented Reality kommuniziert die Verpackung über Market Intelligence Plattformen aktiv mit dem Smartphone des Endkonsumenten und bewirbt das Produkt und koppelt gleichzeitig zum Inverkehrbringer Attraktivitätsinformationen des globalen Marktes zurück.

Frage 3: Viele Firmen befinden sich schon länger in tiefgreifenden Veränderungsprozessen. Können Sie etwas zu Change-Prozessen in Unternehmen sagen?

Ob Innovation von Geschäftsmodellen, Einführung und/oder Erweiterung von Unternehmensprozessen, Organisationsentwicklung oder Umsetzung von neuen Produkt- und Technologiestrategien – es bedeutet Change im Unternehmen und Veränderung für die Mitarbeiter des Unternehmens. Es müssen neue Verhaltensmuster erlernt, verstanden und trainiert und bisweilen mit Coaching und Mentoring begleitet werden. Der Mensch ist von seiner Natur her ein Gewohnheitstier. Je größer die Veränderung ist, umso größer ist seine Irritation und  Angst, Fehler zu machen. Vertrauensvolle Kommunikation und gegenseitiges Verständnis im Projektteam und bei Vorgesetzten haben in dieser Zeit einen besonderen Stellenwert für die Balancehaltung der Mitarbeiter.

Eine der gravierendsten Veränderungen in einem Unternehmen erfolgt durch M&A-Aktivitäten. Es gilt, Menschen, Verhaltensweisen, Produkte und Technologien aus einer anderen Unternehmenskultur kennenzulernen, die Kundenbedürfnisse und Andersartigkeit zu verstehen, voneinander unvoreingenommen zu lernen und einen respektvollen, geduldigen und toleranten Umgang in der Zusammenarbeit zu pflegen, um eine erfolgreiche Integration in die Unternehmung zu erzielen.

Frage 4: Mit welcher Einstellung und Erwartung kamen Sie in den Lehrgang?

Change – ich stand beruflich und privat vor ganz neuen Herausforderungen in vollständig neuem Umfeld. Ich wollte etwas verändern und mich aufmachen auf eine Reise, um anderes kennenzulernen und den Mut zu haben, Neues auszuprobieren. Ich erhoffte mir, kreative Anregungen und methodischen Input aus dem Studiengang Change- und Innovationsmanagement einerseits und aus dem Austausch im hochinteressanten Teilnehmerkreis mit Erfahrungen in mir völlig fremden Branchen andererseits zu erhalten.

Unsere Geschäftswelt verlangt in der heutigen Zeit den Menschen täglich Höchstleistungen ab. Der Ansatz, professionelle Techniken aus dem Hochleistungssport kennenzulernen und für den Wirtschafts- und Familienalltag verwertbar zu machen, hat mich sofort angesprochen und als Hobby-Sportler zusätzlich fasziniert.   

Frage 5: Welche Inhalte haben Sie am meisten bewegt und warum?

Finde Dein Why – was macht mich als Mensch aus, warum bin ich auf der Welt, welche Werte sind mir wichtig?  Dies war für mich der mit Abstand bewegendste und wichtigste Inhalt des Studienganges. Ohne die klare eigene Standpunktbestimmung ist keine Veränderung oder Innovation von Erfolg gekrönt. Man verliert sich in der VUCA-Welt. Das Why gibt Orientierung und ermächtigt auch mal NEIN zu sagen, um sich selber treu zu bleiben.

Frage 6: Führung von Teams und soziale Kompetenz sind zwei zentrale Themen aus dem ersten Modul. Welche Inhalte aus den Tagen mit Prof. Dr. Wolfgang Jenewein und André Kasiske sind Ihnen in Erinnerung geblieben?

Transformationale Führung versus transaktionale Führung – beide Techniken finden Anwendung, je nach Situation des Unternehmens und Zeitvorgabe. Modernes Management führt in flachen Hierarchien und über projektbezogene Teamarbeit (siehe Frage 1). Sind vertrauensvoll zusammenarbeitende Teams, klare Regeln und eine Fehler- und Lernkultur im Unternehmen etabliert, gelingt in den Unternehmen der Wechsel von der Angstkultur zur Mutkultur und Energien werden freigesetzt. Teamerfolg geht vor Einzelerfolg. Empathische Führung eines Teams ist wirksamer als lösungsorientierte Führung. Auf dem Weg zur Zielerreichung gilt die 80/20-Regel, um effizient zu arbeiten (Circle of Concern). Um Konflikten vorzubeugen, arbeiten wir mit regelmäßiger ehrlicher Feedbackgabe. Wir gehen im Team respektvoll miteinander um, wertschätzen die Stärken und haben Verständnis für die Schwächen.

Frage 7: Der Lehrgang erstreckt sich über mehrere Monate und bietet deshalb auch viel Zeit zur Selbstreflexion. Wie wichtig war Ihnen das bei der Auswahl des Programms?

Ich habe erst während der Ausbildung bewusst erlebt, wie wichtig Zeit für Selbstreflexion wirklich ist. Nimmt man sich diese Auszeit nicht, ist eine nachhaltige, persönliche Weiterentwicklung nur schwer möglich und der Organismus erschöpft. Heute ist für mich Selbstreflexion ein Teil der Achtsamkeit mir selbst gegenüber.

Frage 8: Das Programm befindet sich dieses Jahr erst in seiner dritten Durchführung. Was könnte aus Ihrer Sicht noch verbessert werden? Wovon hätten Sie sich noch mehr gewünscht?

Da das Programm sehr intensiv und kompakt ist, hätte ich mir während der Module etwas mehr Reflexionszeit für mich und/oder etwas Diskussionszeit innerhalb der Gruppe oder mit Teilen der Gruppe gewünscht, denn jeder hat andere Erfahrung mitgebracht und damit einen anderen Blickwinkel zu den Themen. Davon hätte ich gerne etwas mehr erlebt. Innovations- und Changemanagement bedeutet für mich in der heutigen VUCA-Welt «Miteinander wachsen» und ist unabhängig von Branche und Umfeld, gilt beruflich wie privat.

Durch die Digitalisierung, Globalisierung und Altersstrukturen stehen wir in den Unternehmen vor Veränderungsprozessen in Unternehmenskultur und Organisation. Zielgerichtete Projektarbeit im Team nimmt an Bedeutung rasant zu, hierarchische Organismen werden überholt, vernetzte Matrixorganisationen potenziert. Dies birgt ein inhärentes Konfliktpotential, das Energieflüsse blockiert und die Menschen belastet, da für die notwendige Kommunikation und Ausbildung wenig Zeit ist. Das Erlernen von Techniken zur Balancefindung (z.B. Yoga, Meditation, Atemtechniken) und Achtsamkeitstraining können jeden unterstützen, gelassen den Veränderungsprozessen gegenüberzustehen. Ich würde mir wünschen, dass Übungen dazu auch in den Modulen des Studiengangs erlernt werden können.

Frage 9:Welche Inhalte aus dem Lehrgang konnten Sie bereits umsetzen? Woran wollen Sie noch arbeiten?

Bislang konnte ich Inhalte und Methoden aus den Bereichen Business Model Innovation, Change- und Innovationsmanagement und interdisziplinäre Teamarbeit zur Unternehmensprozessentwicklung erfolgreich anwenden. Ich möchte mich in der nächsten Zeit darauf konzentrieren, das Hören weiter zu sensibilisieren und intensivieren, Kommunikationstechniken professionell anzuwenden und meine Energie zu fokussieren auf das Thema Nachhaltigkeit in der Geschäftsentwicklung. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei Umweltprojekten in der Verpackungsbranche (z.B. Design for Recycling, Clean Ocean). Über Coaching, Consulting oder Mentoring möchte ich gerne noch viel intensiver meine Erfahrung mit anderen teilen, den Nachwuchs ausbilden und Business Model Innovation vorantreiben.

Frage 10: Sie waren auch am letzten Alumni-Event in Österreich dabei? Wie war der Austausch mit den Teilnehmern aus der ersten Durchführung?

Wir waren durch den Studiengang in unserer Gruppe sehr vertrauensvoll zusammengewachsen, man hatte sich durch die intensive Arbeit kennengelernt, Nähe gewonnen. Der Austausch mit der vorangegangenen Studiengruppe war verhalten, man war eher distanziert, die Offenheit und das Vertrauen fehlten.

Dennoch trieb mich die Neugierde zum Austausch, um zu erfahren, wie die anderen den Studiengang und die Arbeit erlebt haben und zu welchen Ergebnissen, Erkenntnissen, Veränderungen sie gelangt sind.

Vielen Dank für die interessanten Einblicke, Frau Dr. Käding-Koppers!