Alumni des Monats Dezember: Sabrina Stepanian

Alumni des Monats: Sabrina Stepanian

Führungskraft aus der Lebensmittelindustrie

Als Tochter eines Armeniers und einer Österreicherin, in Iran/Teheran geboren, hauptsächlich in Österreich aufgewachsen, war und bin ich immer noch – privat, durch meine Aus- und Weiterbildung und beruflich – in Kontakt mit unterschiedlichen Kulturen. Diversity und „das Andere“ sind Themen, die wie ein roter Faden Teil meines Lebens sind und mich in jeglicher Form faszinieren. Mit Menschen unterschiedlicher Kulturen, Altersgruppen, Persönlichkeiten und Erfahrungen zusammen zu arbeiten, Zeit zu verbringen, gemeinsam Herausforderungen zu meistern und Veränderungen durch zu leben, ist meine Art und Weise Kraft zu tanken und auch meinen Horizont zu erweitern bzw. auch das Leben aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Frage 1: Guten Tag Frau Stepanian. Vielen Dank, dass Sie der Einladung zum Gespräch gefolgt sind. Warum haben Sie sich 2018 zur Teilnahme am Studiengang entschieden?

Der Grund meiner Motivation mich im Bereich des Change und Innovation Management weiter zu bilden, ist ein ganz einfacher: die gesamte Welt befindet sich derzeit in einem großen Wandel. Sei es die Veränderung des Konsumverhaltens, Generationenwechsel, Digitalisierung sowie die neue junge Generation, die ganz andere Anforderungen an Arbeitsplatz sowie Arbeitgeber haben wird.

Um diesem gesamten Change-Prozess besser und effizienter zu begegnen, die damit verbundenen „Challenges“ innovativ in den Griff zu bekommen, sind Weiterbildungen in meinen Augen ein Start um die geeigneten „Instrumente“ kennen zu lernen und diese dann erfolgreich in der Praxis anzuwenden.

Frage 2: Mit welchen Erwartungen sind Sie damals an die Universität St. Gallen gekommen?

Meine größte Erwartung war, dass ich durch den Lehrgang – im Konkreten eher durch die Menschen, die ich kennen lernen werde (seien es die Professoren, Vortragenden oder meine Studienkollegen), durch Gespräche, Diskussionen angeregt werde meine Perspektiven zu wechseln und „meine bisherige Welt und mich“ von einer neuen Seite kennen zu lernen. Kurz zusammengefasst: ich habe mich auf viele prägende Aha-Erlebnisse gefreut, die mir meine Augen und mein Herz öffnen.

Frage 3: Sie haben in Österreich Jura und Kommunikationswissenschaften studiert und arbeiten jetzt in der schwedischen Lebensmittelindustrie. Wie kam es zu diesem Schritt?

Für mich war es immer wichtig in einem internationalen Umfeld zu arbeiten und auch die Möglichkeit zu haben unterschiedliche Kulturen kennen zu lernen und mit Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammen zu arbeiten. Eine diplomatische Karriere, die Möglichkeit alle paar Jahre in ein neues Land zu ziehen, eine neue Kultur, Sprache und Menschen kennen zu lernen war mein ursprüngliches Karriereziel und haben mich dazu motiviert Jura zu studieren. Nach Abschluss meines Studiums hatte ich eine sehr interessante Tätigkeit in der Außenwirtschaft Österreich bei der Wirtschaftskammer. Leider habe ich dann die Aufnahmeprüfung für die diplomatische Karriere als Handelsdelegierte nicht geschafft. Nachdem ich mich eher in der Wirtschaft als in der Politik gesehen habe, wollte ich praktische Erfahrungen bei unterschiedlichen Unternehmen diverser Branchen (internationales Messewesen, Medienbranche) sammeln, immer darauf bedacht, dass diese international tätig sind. Im Zuge dieser Tätigkeiten war ich hauptsächlich dafür verantwortlich deren Brand bzw. unterschiedliche Geschäftszweige im Ausland aufzubauen, was mich dann dazu motivierte nebenberuflich ein Postgraduate Studium für PR und Integrierte Kommunikation zu machen. Meine Neugier und die Möglichkeit einer neuen beruflichen Herausforderung, haben mich in die Lebensmittelbranche geführt, wo ich seit fast 13 Jahren in unterschiedlichen Bereichen – gehobene Gastronomie, Systemgastronomie und jetzt im Bereich der Produktentwicklung – internationale Projekte geleitet und umgesetzt habe.

Der Charme dieser Branche ist, dass man mit „Essen“ Menschen eine Freude bereiten, Menschen und Kulturen miteinander verbinden und durch das „Essen“ die Unternehmens- und Brandphilosophie kommunizieren kann – eine sehr vielfältige Branche mit vielen Möglichkeiten.

Frage 4: Wie unterscheiden sich die Arbeitsweise und der Umgang mit Mitarbeitern in Schweden im Vergleich zur DACH-Region?

Der für mich ersichtlich größte Unterschied ist, dass in den skandinavischen Ländern alles viel mehr auf Vertrauen basiert, was dazu führt, dass man im Vergleich zur DACH-Region viel mehr Herr/Frau seiner Zeit ist und sich seinen Arbeitsalltag sehr eigenständig und flexibel gestalten kann. Eine Anwesenheitspflicht im Büro ist nicht unbedingt notwendig, um zu beweisen, dass man produktiv ist. Ob die Arbeit im Büro, von zu Hause im Zuge von Homeoffice oder wo auch immer verrichtet wird, ist nicht relevant und wird eigentlich auch gar nicht hinterfragt bzw. kontrolliert. Wichtig ist jedoch, dass die Arbeit verrichtet und zeitgerecht abgeliefert wird. Die Teilnahme an Meetings, wo keine unbedingte Anwesenheitspflicht erwünscht ist, per Skype oder Telefonkonferenz ist ganz normal.

Wie schon angeführt ist das Arbeiten von zu Hause aus – Homeoffice – sehr akzeptiert und unterstützt vor allem Familien mit Kindern Beruf und Privatleben harmonisch in Einklang unter Dach und Fach zu bringen.

Was mich zu einem weiteren wesentlichen Unterschied führt: in vielen europäischen Kulturen ist das Thema „Work-Life-Balance“ in aller Munde und wird auch immer wieder zum Thema gemacht, jedoch richtig gelebt wird die Work-Life-Balance meiner Ansicht nach in den skandinavischen Ländern. Es ist Gang und Gebe, seinen Tag balanciert zwischen Beruf und Privatleben aufzuteilen, sodass man jeden Tag genügend Zeit für Familie, Freunde und auch körperliche Aktivitäten hat.

Ein für mich auch sehr interessanter Aspekt ist, dass Job und Familie in Schweden nicht im Widerspruch zueinanderstehen: Dank guter Kinderbetreuung und Anreize für Väter daheim zu bleiben, steigt die Beschäftigungsquote von Frauen und ermöglicht es ihnen Familie und Karriere zu vereinbaren.

Frage 5: Die Digitalisierung macht auch vor Ihrer Branche nicht halt. Können Sie uns etwas zu den aktuellen Herausforderungen Ihres Unternehmens erzählen?

Die Digitalisierung kann vor allem in drei Unternehmensbereichen der Lebensmittelindustrie größere Verbesserungsmöglichkeiten herbeiführen: in Vertrieb & Marketing, in Produktion & Intralogistik (das sind die logistischen Material- und Warenflüsse, die sich innerhalb eines Betriebsgeländes abspielen) und vor allem in der Informationstechnologie. Die Digitalisierung könnte zwar einen Beitrag zur Kostensenkung leisten, wichtiger ist jedoch ihr Beitrag für das Managen der Komplexität, für das Steuern des Unternehmens und das Verbessern der Reaktionsfähigkeit.

Jedoch nimmt die Bedeutung von Wertigkeit und Nachhaltigkeit in der Lebensmittelbranche weiterhin immer mehr zu. Neben dem Massenmarkt wird das hochpreisige Segment wichtiger. Modernste Technologien und traditionelle „Lebensmittel-Handwerkskunst“ werden kombiniert und führen zu einer neuen Qualität von Lebensmitteln, die aufwändig hergestellt, zubereitet und konsumiert werden.

Frage 6: Der Studiengang gliedert sich in vier Blöcke, welche über einen Zeitraum von sechs Monaten stattfinden. Konnten Sie bereits zwischen den Modulen erste Erkenntnisse in Ihren beruflichen Alltag integrieren?

Was ich bestätigen kann ist, dass während und nach jedem Modul in irgendeiner Art und Weise ein Change-Prozess mit und in mir gestartet hat, sei es durch die berühmten „Aha-Erlebnisse“, durch das Erlangen neuen fachlichen Wissens, durch Inspiration oder Diskussionen. Jedes Modul hatte ein Schwerpunkt-Thema und bewirkte nicht nur Zugewinn an Wissen sondern auch Erkenntnisse über mich selbst. All diese Erlebnisse und Erfahrungen hatten natürlich in irgendeiner Art und Weise dann eine gewisse Auswirkung: Perspektivenwechsel, die Dinge mal anders anzugehen, sehr viel Selbst-Reflexion, was echt bereichernd ist.

Die für mich wichtige Erkenntnis ist jedoch, dass man sich immer wieder bewusst aus seinem Alltags-Trott herausnehmen und die Gesamtsituation immer wieder aus einer Vogelperspektive betrachten muss, um nicht das große Ganze aus den Augen zu verlieren.

Leider tendieren wir Menschen immer wieder dazu in diesem Mikrokosmos-Denken zu verharren und verschließen uns dadurch sehr vielen Möglichkeiten, die wir so nicht wahrnehmen.

Frage 7: Insgesamt teilen 25 Professoren und Praxisexperten ihr Wissen. Können Sie uns etwas zu den Referenten sagen?

Im Allgemeinen finde ich es immer gut Wissen von Referenten sowohl aus der Praxis als auch aus der Wissenschaft vermittelt zu bekommen, nachdem es interessant ist die Verbindung zwischen Theorie und Praxis herzustellen. Einige Professoren haben diese Verbindung mit sehr praxisrelevanten Beispielen greifbarer machen können, die auch zu sehr interessanten und inspirierenden Diskussionen in der Gruppe geführt haben. Es gab auch vereinzelt Praxisexperten, die mit dem hohen didaktischen Niveau der Professoren nicht mithalten konnten. Trotzdem waren auch diese Praxiseinblicke sehr spannend. Alle Referenten haben auf jeden Fall in irgendeiner Form einen bleibenden Eindruck hinterlassen, ob fachlich, rhetorisch oder als Person.

Frage 8: Diverse Absolventen berichten uns, dass Sie mit Hilfe des Studiengangs ein Stückweit aus Ihrer Komfortzone geholt wurden und neue Inspiration bekommen haben. Können Sie uns dazu etwas erzählen?

Das kann ich ebenfalls bestätigen, ich wurde von einigen Vortragenden und Kollegen inspiriert aber auch phasenweise aus meiner Komfortzone geholt. Zu spüren war es hauptsächlich beim Verfassen diverser Essays. Bei manchen Themen konnte ich mich richtig gut in die Fragestellung einbringen und die Gedanken sprudelten so richtig raus, bei anderen Themen hingegen hat sich der ganze Prozess richtig gezogen und war eher zäh als inspirierend.

Das Zusammenarbeiten in der Gruppe für die Abschlussarbeit war für mich auch eine Challenge in dem Sinne, dass ich aus meinem beruflichen Alltag gewohnt bin automatisch den Lead zu übernehmen und die Richtung sowie Vorgehensweise vorzugeben. Für die Gruppenarbeit habe ich mich aber bewusst entschieden mich zurück zu nehmen und mehr als Mitwirkender zu agieren. Für mich als „Macherin“, die nicht gerne lang herum diskutiert und am Liebsten das Ruder in die Hand nimmt, war das eine richtige Challenge, die ich aber glaube ich relativ gut gemeistert habe. Da müsste man mal meine Kollegen aus der Gruppe getrennt befragen, wie sie das so empfunden haben? 😉

Frage 9: Im April beginnt bereits die vierte Durchführung des Lehrgangs. Welche Ratschläge haben Sie als Alumni an die neuen Teilnehmer?

Es ist gut Erwartungen zu haben, Themen und Situationen kritisch zu hinterfragen. Jedoch würde ich Euch raten diese 4 Module, den gesamten Lehrgang mit einer gewissen Offenheit anzugehen und nicht sofort Situationen, Personen zu (be)urteilen bzw. zu „schubladisieren“. Nehmt diese Zeit bewusst wahr – nicht nur das Umfeld sondern Euch selbst, Eure Gedanken und Gefühle. Vertraut dem gesamten Prozess, vor allem Eurem eigenen persönlichen Change-Prozess, der sicher in irgendeiner Form gestartet wird und nehmt Euch auch die Zeit zur Selbst-Reflexion.

Viel Spass, Erfolg und viele „Aha-Erlebnisse“ wünsche ich Euch.

Frage 10: Vor welchen beruflichen Herausforderungen stehen Sie im neuen Jahr?

Ich glaube wir alle haben irgendwie dieselben beruflichen Herausforderungen: relativ schnell und zügig auf die verändernden Kundenbedürfnisse und -erwartungen sowie die generelle Schnelllebigkeit am Markt mit innovativen Konzepten und Ideen zu reagieren. Also fundamentales Umdenken ist angesagt…;)

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Stepanian!