Alumni des Monats September: Gregor Knoblauch

ZUR PERSON:

Gregor Knoblauch

Vorsitzender der Bankleitung, Raiffeisenbank Winterthur

Mit Leidenschaft Menschen begeistern um mit Ausdauer gemeinsame Ziele zu erreichen‘. Als ausgesprochen netzwerkorientierter Mensch bereitet es mir täglich grosse Freude, im geschäftlichen und privaten Bereich mit interessanten Personen zusammen zu sein. Zentral ist für mich, dass ich meine Lebensbereiche Familie, Beruf, Freunde und Gesundheit täglich aktiv manage und ausgewogen gestalte. Ich bin gerne unterwegs.

 

Frage 1: Herr Knoblauch, herzlichen Dank für Ihre Zeit. Was hat sich seit dem Ende des Lehrgangs für Sie verändert?
Ich freue mich auf die anstehenden Veränderungen in der Arbeitswelt wie Digitalisierung etc. Diesen Herausforderungen blicke ich bedeutend positiver entgegen als vor dem Lehrgang, weil ich die Gewissheit habe, dass ich den ‚Werkzeugkoffer‘ zur Bewältigung von ‚Change‘ griffbereit habe.

 

Frage 2: Was hat Sie damals zu einer Teilnahme bewogen?
Es war mir ein Anliegen, Veränderungsprozesse aktiv modellieren und so gestalten zu können, dass möglichst alle Stakeholder auf die ‚Reise mitgenommen werden‘. Diese Kompetenz konnte ich mir aneignen.

 

Frage 3: Sie sind bereits über 30 Jahre in der Bankenbranche tätig. Was macht die Branche für Sie so spannend und warum sind Sie ihr immer treu geblieben?
Banking erfährt seit Jahrzehnten grosse Veränderungen. Gleichgeblieben ist aber der Auftrag, Firmen- und Privatkunden täglich Mehrwerte am Thema ‚Geld‘, einem der persönlichsten Lebensbereiche der Menschen (gerade in der Schweiz), zu schaffen. Wenn dieses Handwerk ehrlich ausgeübt wird, erfährt man eine grosse Dankbarkeit. Zudem lerne ich täglich neue Unternehmen, Branchen und Geschäftsmodelle kennen, was mich noch gleich wie am ersten Tag vor über dreissig Jahren motiviert.

 

Frage 4: Können Sie uns etwas zu den aktuellen Herausforderungen der Raiffeisenbank?
Wir sind durchaus selbstkritisch: Bei Raffeisen Schweiz sind Fehler passiert, vor allem in der Zeit von 2012 bis 2015. Daraus haben wir Lehren gezogen: Wir verbessern unsere Corporate Governance. Wir erneuern den Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz. An der ausserordentlichen Delegiertenversammlung im November 2018 sollen ein neuer Verwaltungsratspräsident und vier neue Verwaltungsräte gewählt werden. Zusammen in der ganzen Gruppe diskutieren wir über notwendige Reformen; mehr Teilhabe und besseren Dialog. Aber das tägliche Bankgeschäft steht nicht still – der aller grösste Teil unserer Kundinnen und Kunden bringt den rund 10.000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen unserer Gruppe tagtäglich ausgesprochen grosses Vertrauen entgegen. Raiffeisen ist eine sehr föderalistische, urschweizerische und einzigartige Bank.

 

Frage 5: Wie glauben Sie kann die Bankenwelt in der Schweiz dem digitalen Wandel erfolgreich begegnen?
Es sind enorme finanzielle und kulturelle Investitionen in die Digitalisierung erforderlich. Es wird Mut brauchen, bewährte Geschäftsprozesse loszulassen und neu zu definieren. Wirtschaftlichkeit und ein aktives Risikomanagement werden wichtiger denn je werden. Klar ist aber auch, dass der Mensch den Menschen auch künftig bei wichtigen finanziellen Entscheiden im Leben (Moments of truth) suchen wird. Die persönliche Kundenberatung wird daher neben dem der digitalen Welt auch künftig wichtig sein. Die Vertriebsmitarbeiter müssen aber top ausgebildet sein.

 

Frage 6: Sie haben den Lehrgang Ende September mit 25 anderen Führungskräften abgeschlossen. Können Sie uns etwas zum Teilnehmerfeld sagen?
Es war ein ausgesprochen inspirierender Teilnehmerkreis mit einem erfreulich hohen Frauenanteil. Es waren alles Teilnehmer in wichtigen Führungs- oder Fachpositionen aus den unterschiedlichsten Branchen und verschiedenen Ländern. Spannend war auch die recht grosse Altersrange, welcher das ‚generationenübergreifende‘ Denken förderte. Ich bin sicher, dass ich mit einigen der Teilnehmer längerfristig in Kontakt bleiben werde.

 

Frage 7: In Ihrer Funktion sind Sie für rund 70 Mitarbeiter verantwortlich. Da das Thema Führung ein essenzieller Bestandteil des Lehrgangs ist, würde uns interessieren was Sie aus diesem Modul für Ihren Berufsalltag mitnehmen konnten?
Besonders wertvoll waren für mich die Beiträge zu den Themen Führung im Wandel, F.A.C.E Your Challenge, Führung unter Stress, Change & Innovation als Schlüsselfaktoren, den Wandel proaktiv führen und Resilienz aus medizinischer Sicht. Die Dozenten vermittelten eine sehr professionelle und zeitgemässe Sicht der Themen anhand von reellen Beispielen aus der Praxis.

 

Frage 8: Welchen Erfahrungen haben den Lehrgang für Sie besonders gemacht?
Erstklassige Dozenten, mehrheitlich aus dem deutschsprachigen Raum. Gut abgestimmter und interessanten Teilnehmerkreis und last but not least die Präsenz und die persönlichen Beiträge durch Wladimir Klitschko. Der ganze Lehrgang findet in der inspirierenden Umgebung am Executive Campus der Universität St. Gallen statt und wird durch Christoph Mund als Studiengangleiter professionell begleitet.

 

Frage 9: Sie haben erzählt, dass Sie in der Bank und darüber hinaus oft als Mentor für Berufsanfänger zur Verfügung stehen. Wie kam es dazu und was zeichnet für Sie die Arbeit mit jungen Nachwuchskräften aus?
Ich begleite eine Hand voll Berufsanfänger über eine längere Zeit durch ihre ersten Berufsjahre. Dies erfolgt einerseits im Rahmen des Mentoring Programms von Raiffeisen, aber auch auf privater Basis. Ich habe vor rund zehn Jahren festgestellt, dass meine Erfahrung von jungen Berufsleuten geschätzt wird und in einer Welt der fast unbegrenzten Möglichkeiten eine willkommene Orientierungshilfe ist. Meinerseits erhalte ich so Einblick in die Sichtweise der jungen Leute, was mir wiederum bei meiner täglichen Führungsarbeit hilft und mich auch ein Stück weit zwingt, jederzeit fokussiert und vorwärtsorientiert zu handeln.

 

Frage 10: Welches Thema möchten Sie in nächster Zeit stärker vorantreiben?
F.A.C.E. the Challenge natürlich!

 

Vielen Dank für die spannenden Einblicke, Herr Knoblauch!