Dr. Andreas Biland

Alumni des Monats November 2019

Sr. Innovation Manger and Consultant

Als promovierter Chemiker hat es mich seit meiner akademischen Ausbildung in die chemische Forschung gezogen, wo ich meine kreativ wissenschaftliche Ader ausleben und weiter entwickeln durfte. Mit zunehmender Erfahrung in der Führung von talentierten Wissenschaftlern entwickelte ich ein neues Verständnis von Innovation. Neben technischen Erfindungen aus den Laboratorien spielen heutzutage neue Formen an Innovation eine immer grössere Rolle in der Unternehmensführung. Vor allem im Zusammenhang mit dem Wandel und der Demokratisierung der Digitalisierung gewinnen innovative Geschäftsmodelle in traditionsreichen Branchen eine immer grössere Bedeutung. Diesen Wandel mit zu gestalten, wurde zu einer neuen Leidenschaft, welche das CAS Change & Innovation Management in mir entfacht hat.

Frage 1: Guten Tag Herr Dr. Biland. Vielen Dank für Ihre Zeit. Vor wenigen Wochen ist bereits die vierte Durchführung des Lehrgangs zu Ende gegangen. Welche Gedanken kommen Ihnen, wenn Sie an den Abschluss im September denken?

Navigation, Netzwerke & neue Freunde. Mit dem Lehrgang erhielten wir wertvolle, innovative Tools, bzw. einen Kompass, der uns hilft durch die 4. Industrialisierung, zu navigieren. Dabei habe ich einen meiner Werte weiter manifestiert und dieser wird auch weiter Bestand haben. Es sind die Menschen, die Hand in Hand zusammenarbeiten, welche die Veränderung herbeiführen können. In unserem Lehrgang bildete sich ein Teamspirit und Zusammenhalt, aus welchem viele neue Freundschaften und Netzwerke entstanden sind.

Frage 2: Was waren letztes Jahr Ihre Beweggründe sich für den Studiengang zu bewerben?

Bei meinem Arbeitgeber standen grosse unternehmerische Veränderungen im Hause. Um mich zu wandeln und die Veränderungen besser zu verstehen, wollte ich gerüstet sein mit den richtigen Werkzeugen. Als Leiter der globalen Technologie- & Innovationsabteilung fühlte ich mich verantwortlich, den Wandel aktiv mit zu gestalten. Dazu benötigte ich aber neuen Input von aussen. Mir war auch persönlich wichtig an der HSG einen Abschluss zu machen, im Wissen, dass ich mir einen Zugang zu einem wertvollen und funktionierenden Netzwerk schaffen kann. Mit Klitschko Ventures als Partner fand ich die ideale Umgebung meinen Wissensdurst zu befriedigen. Als Hobbysportler war ich gespannt auf die Lehre und die Konzepte von Willenskraft und F.A.C.E. the Challenge von Dr. Wladimir Klitschko.

Frage 3: Sie haben den Lehrgang auch als Möglichkeit der beruflichen Neuorientierung genutzt. Welche Aspekte haben Ihnen bei der persönlichen Weiterentwicklung besonders geholfen?

Ich befand mich in zu jener Zeit in einem translatorischen Zustand, in dem ich mich neuorientieren wollte. Zum einen haben mich die Theorien von Wladimir persönlich gestärkt den richtigen Weg zu verfolgen. Zum anderen haben mich die Theorien von Prof. Jenewein und André Kasiske gelehrt, dass der Menschenführung in einer VUCA-Welt eine besondere Bedeutung zukommt. Diese ist fragil und benötigt eine grosse Sozial- und Selbstkompetenz um als Führungspersönlichkeit zu bestehen. Auch war ich ein grosser Fan der neunen innovativen Geschäftsmodellen, welche Prof. Karolin Frankenberger praxisnah gelehrt hat. Dies entfachte eine neue Leidenschaft in mir, die mir half Geschäftsmodelle zu hinterfragen und neue Modelle persönlich auszuprobieren.

Frage 4: Ein spannendes Teilnehmerfeld ist eine der Grundvoraussetzungen für einen erfolgreichen Studiengang. Können Sie uns etwas zum Austausch innerhalb der Gruppe erzählen?

Die Auswahl der Teilnehmer war exzellent. Die Diversität war gross und jeder konnte von jedem profitieren. Ideal war, dass viele verschiedene Branchen vertreten waren. In der Diskussion mit den Kommilitonen realisierte man schnell, dass alle im selben Wasser schwimmen und mit denselben Problemen kämpften.
Als Gruppe haben wir uns sehr schnell gefunden und es entstand eine unglaublich aktive Dynamik während den Vorlesungen aber auch im persönlichen, freundschaftlichen Bereich. Ich durfte schon einige Workshops und Weiterbildungen besuchen, was ich aber hier erleben durfte war einmalig.

Frage 5: Dr. Wladimir Klitschko hat 2016 gemeinsam mit der Universität St. Gallen den Studiengang ins Leben gerufen. Können Sie uns etwas zu seinen Inhalten erzählen und wie Sie ihn während des Programms wahrgenommen haben?

Wladimir kam immer sehr authentisch rüber. Seine entwickelten Theorien wie F.A.C.E. the Challenge und Willenskraft lebte er beispielhaft vor und ergänzte das Gesagte mit viel Fachkompetenz. Willenskraft und F.A.C.E. haben mich in meinem persönlichen Change Prozess stetig begleitet und beeinflusst. Es half mir mich zu fokussieren und auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Auch die Gastredner welche aus dem Netzwerk von Wladimir und Klitschko Ventures kamen waren allesamt spannend und spannten den Bogen zur Praxis.

Frage 6: Sie sind bereits seit über 15 Jahren in verschiedenen Funktionen in der Chemiebranche tätig. Können Sie uns etwas zu den Herausforderungen des Marktes erzählen?

Der regulatorische Druck auf die Produkte steigt enorm. Dies macht die Produkteentwicklung komplexer. Vor allem, wenn man in die Automobil- oder Flugzeugindustrie liefert, kann man validierte Produkte nicht so einfach mit neuen Produkten ersetzen. Die Qualifizierung einer Prozessveränderung nimmt zum Teil mehr als ein Jahr in Anspruch und kreiert beim Kunden hohe Kosten. Oft entscheidet sich der Kunde, andere Zulieferer ebenfalls zu testen. Dies eröffnet der Konkurrenz die Möglichkeit zusätzliche Marktanteile zu gewinnen.
Auch sollten neue Produkte nach den 17 „#Sustainable Development Goals“ entwickelt werden, welche 2015 von der UN verabschiedet wurden. Es gibt mittlerweile viele Chemische Unternehmen, welche ihr Geschäft nach den 17 SDGs ausrichten. Allerdings gibt es da noch viel zu tun. Persönlich sehe ich mit der Digitalisierung eine Chance den 17 SDG gerecht zu werden. Greta Thunberg wird es danken.
Zurzeit findet auch eine weitere Welle der Konsolidierung des Chemiemarktes statt. Man versucht Unternehmen grösser aber gleichzeitig schlanker zu machen. Das Credo lautet man muss Kosten sparen. Ich bin überzeugt, dies ist ein Zustand der sich wieder ändern wird, sobald sich die Industrie an die Geschwindigkeit des Wandels gewöhnt hat. Dazu braucht es aber auch jüngere Führungskräfte, die verstehen, dass man vor der Veränderung keine Angst haben musss, diese hingegen als Chance sehen sollte.

Frage 7: Welche Massnahmen ergreift die Schweizer Chemieindustrie, um dem digitalen Wandel erfolgreich zu begegnen?

Um dem Kostendruck und den Preiszerfall zu begegnen, konzentriert sich die Industrie auf Innovation. Viele Firmen, welche Massenchemikalien herstellten, sind in den letzten 10 Jahren fast komplett aus der Schweiz verschwunden, weil man nicht mehr konkurrenzfähig gegenüber anderen Ländern und Regionen produzieren konnte. Mittels Innovation hingegen lassen sich gut ausgebildete Fachkräfte aus den hiesigen Universitäten binden und zusammen hoch technologisierte Lösungen entwickeln.
Der digitale Wandel in der Chemieindustrie ist noch nicht Realität. Man steht vor grossen Veränderungen, welche man zuerst verstehen muss. So hat jede Unternehmung auch eine individuelle Vorstellung von Digitalisierung. Oft wird das in meinen Augen mit Automatisation verwechselt. Man misst, kontrolliert und analysiert die Daten aus den Produktionsprozessen sehr akribisch, um diese zu verbessern und Kosten zu reduzieren. Jedoch verstehe ich unter Digitalisierung wesentlich mehr. Rolf Schumann (Chief Digital Officer Schwarz Gruppe) hat es in seinen beiden Präsentationen auf den Punkt gebracht. Da ist mir eigentlich erst bewusst geworden, was Digitalisierung wirklich bedeutet: "Die intelligente Verknüpfung von Dingen mit Menschen in neuen Geschäftsmodellen in Echtzeit". Ich glaube die Chemieindustrie ist noch ein ganzes Stückchen davon entfernt.
Einen Trend kann ich allerdings bereits heute feststellen. Es gibt immer mehr Lösungen, basierend auf Big Data Analysen. Vor allem im Supply Chain Management lassen sich Prozesse digitalisieren. So durfte ich zusammen mit drei Kollegen während des CAS eine Fallstudie für Scoutbee, einem Würzburger Start-up Unternehmen, durchführen. Mittels einer KI und der Verknüpfung des firmeneigenen Distributionsnetzwerks lassen sich mehr Neulieferanten, einfacher, schneller und kostengünstiger finden. Der ganze Prozess lässt sich digital automatisieren und unterstützt so andere Kerngeschäftsprozesse. Die chemische- und pharmazeutische Industrie zeigt mittlerweile ein reges Interesse diese Art von Tools vermehrt in ihre Geschäftsmodelle einzubauen.

Frage 8: Welche Konzepte aus dem Studiengang haben Sie bereits in Ihren Alltag integriert?

In meinem persönlichen Neuorientierungsprozess habe ich die Konzepte von F.A.C.E. tagtäglich angewendet. Sie wiesen mir den Weg fokussiert und standhaft zu bleiben. Um die ökonomischen Konzepte anzuwenden, darauf freue ich mich bereits heute schon in meiner neuen Aufgabe, welche ich nächstes Jahr beginnen werde. Dabei stehen Teamentwicklung mittels Schwarmintelligenz, Innovative Geschäftsmodelle, Design Thinking, Customer Journey und Change Management ganz oben auf meiner Liste.

Frage 9: Welche Themengebiete würden Sie gerne noch weiter vertiefen?

Change- und Krisenmanagement sind Themen, welche im sozialen Wandel sehr wichtig sind. Diese richtig anzupacken und korrekt zu kommunizieren ist eine grosse Herausforderung. Mehr praxisbezogene Übungen, wären da sicherlich hilfreich.

Frage 10: Vor welcher Herausforderung stehen Sie im kommenden Jahr?

Da mein Neuorientierungsprozess erfolgreich begonnen hat, darf ich nun im kommenden Jahr eine neue Funktion antreten, welche mir auf den Leib geschrieben ist. Mein Ziel ist es der Herausforderung gerecht zu werden und dem Business die Grundlage zu schaffen überdurchschnittlich zu wachsen. Es gilt dabei Visionen zu kreieren und mit Menschen strukturiert umzusetzen. Dies ist meine Leidenschaft und das CAS an der HSG hat mir geholfen diese Herausforderung zu finden und schlussendlich anzunehmen. Ich bin dankbar, dass man uns so gut auf den Prozess der digitalen Veränderung vorbereitet hat. Diese Weiterbildung kann ich jedem wärmstens empfehlen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Biland!

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