Robert Friedrich

Alumni des Monats November 2018

Teamleiter Recruiting Services, Zurich Versicherung

Mein Interesse gilt dem menschlichen Erleben und Verhalten in seinem sozialen, insbesondere im organisationalen Umfeld. Ich durfte ein Studium in Wirtschaftspsychologie, BWL und Kriminologie an der Universität Zürich absolvieren. Parallel dazu und danach habe ich als Assessor für das Schweizer Militär und die Polizei gearbeitet und bin seit 2012 bei der Zurich als Senior Recruiter und Team Lead Recruiting Services engagiert. Persönlich sind mir Unkompliziertheit und Flexibilität, Respekt, hohes Engagement sowie streben nach Erkenntnis wichtig – Werte, die mich privat und beruflich prägen.

Frage 1: Guten Tag Herr Friedrich. Schön, dass Sie bei uns sind. Sie arbeiten schon viele Jahre im Personalbereich. Was fasziniert Sie an Ihrem Job als Recruiter am meisten?

Guten Tag. Schön, bei Ihnen sein zu dürfen. Das ist eine gute Frage. Im Wesentlichen ist es die Möglichkeit, unserem Unternehmen dabei zu helfen, jene künftigen Mitarbeitenden zu finden, mit denen wir langfristig unser Kundenversprechen realisieren wollen. Auf Mikroebene kann ich Führungskräfte beraten und befähigen, in ihren Teams ein optimales Staffing sowie Entlastung zu schaffen und den Bewerbenden, eine herausfordernde Tätigkeit zu finden, in denen sie Wert stiften und an denen sie wachsen können.

Frage 2: Neben den fachlichen Anforderungen, welche Eigenschaften muss eine Führungskraft mitbringen, um in der Versicherungsbranche erfolgreich zu bestehen?

Die Versicherungsbranche befindet sich in einem sich stark verändernden Umfeld, in dem neue Technologien, Digitalisierung, sich ändernde Kundenbedürfnisse, Kostendruck und neue Wettbewerber eine zunehmend schnellere Anpassungsfähigkeit von den Unternehmen abverlangen. Wo Change vor noch nicht allzu langer Zeit zwischen Generationen stattgefunden hat, vollzieht er sich heute in zwei bis drei Jahres Zyklen innerhalb einer Generation. Wandel bedeutet, dass man sich und andere aus einer etablierten Comfort Zone lösen und in einen neuen Standard bewegt. Auf diesem Weg denke ich mir, werden Eigenschaften wie flexibler Umgang mit Ambiguität, hohe Empathie und ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten wesentliche Merkmale von Führungskräften sein, diese Herausforderungen für sich und mit ihren Teams erfolgreich zu meistern.

Frage 3: Den jungen Generationen wird das Thema Sinnhaftigkeit bei der Arbeit und unternehmerischer Mehrwert für die Gesellschaft immer wichtiger. Spüren Sie diesen Trend auch im Recruiting?

Ja. Diesen Trend spüren wir ebenfalls und auch mir persönlich war es damals beim Wechsel in die Versicherungswelt wichtig, für ein Unternehmen mit einem sozialen Zweck und Mehrwert tätig sein zu können. Der Versicherungsgedanke ist in seinen Grundfesten ein sehr sozialer, indem Menschen in ein Gefäss einzahlen, aus dem zeitgleich Geschädigte Leistungen beziehen. Teil einer solchen Branche und eines solchen Unternehmens zu sein, gibt mir ein gutes Gefühl, all meine Ressourcen in meine täglichen Aufgaben zu investieren.

Frage 4: Sie waren im letzten Lehrgang der einzige Teilnehmer aus der Versicherungsbranche? Warum haben Sie sich damals zur Anmeldung entschlossen?

Seit dem Studium habe ich on the job viel Wissen und wertvolle Erfahrungen sammeln können sowie spannende Entwicklungsprogramme absolvieren dürfen. Als Akademiker war es mir aber auch wichtig, einige Jahre nach meinem Studienabschluss wieder eine weitere universitäre Weiterbildung extern anzugehen. Das Thema Change & Innovation Management erachte ich als eine unabhängig vom ursprünglich erlernten Fachgebiet wichtige Metakompetenz, deren Entwicklung und Ausbau ich für mein persönliches und berufliches Wachsen als zentral betrachte.

Nachdem ich mir diverse Lehrangebote unterschiedlicher Institutionen angesehen habe, ist mir der CAS Change & Innovation Management an der HSG aufgefallen. Neuste wissenschaftliche Erkenntnisse, praktische Vermittlung von Methoden, top Dozenten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Sport, Teilnehmer aus diversen Branchen sowie der Umstand, dass sowohl Wladimir Klitschko als auch die HSG – beides hochrangige Brands mit Leistungsversprechen – diesen Lehrgang zusammen gestalten, haben für mich den Ausschlag gegeben, mich anzumelden.

Frage 5: Können Sie uns etwas zum Teilnehmerfeld erzählen?

Gerne. Wenn ich an uns Teilnehmer denke, dann fällt mir schlicht nur «Diversity» ein. Es war eine Mischung von Menschen mit komplett unterschiedlichen Hintergründen hinsichtlich Ausbildung, Branchenkenntnissen und Führungsstufen aber auch betreffend Nationalitäten, Geschlecht und Alter.

In den Übungen, Gruppenarbeiten, den Pausen und den abendlichen Events sowie im Netzwerk, das so über die Module hinweg entstanden ist, hat man von dieser Diversität stetig neue Ansichten, Erkenntnisse aber auch spannende Gespräche zu beruflichen wie auch privaten Themen erlangen können, was ich als sehr bereichernd empfunden habe.

Ich würde das entstandene Teilnehmernetzwerk post hoc neben den Dozenten und den Inhalten als ein weiteres wesentliches Erfolgselement des Studienganges betrachten.

Frage 6: Auch hierzulande wächst das Start-Up Ökosystem und insbesondere auch der Insurance-Tech Bereich enorm. Immer mehr gut ausgebildete Berufseinsteiger aber auch Führungskräfte entscheiden sich für Start-ups anstatt für etablierte Konzerne zu arbeiten. Wie begegnen Sie diesem Trend im Recruiting?

Etablierte Konzerne profitieren einerseits von einem starken Brand, andererseits werden die demografischen Entwicklungen den Wettbewerb für die Gewinnung von Talenten (Berufseinsteiger sowie Führungskräfte) verschärfen.

Neben dem Corporate Branding wird daher das Employer Branding essentiell. Zu vermitteln, wie es sein könnte, bei uns zu arbeiten, wird für die obige Fragestellung zunehmend bedeutungsvoll, und zwar über alle Kanäle, welche die Studierenden aber auch etablierte Führungskräfte nutzen. Die Präsenz an Hochschulen, Traineeprogramme, Werkstudentenstellen und Praktika ermöglichen einen sehr frühzeitigen Kontakt mit den Talenten und deren Gewinnung weit bevor das Studium absolviert ist. Proaktive Recruiting Methoden werden künftig auch einen Beitrag dazu leisten, auf Talente aktiv zuzugehen und Interesse zu wecken und sie von den beruflichen Möglichkeiten in einer spannenden Branche zu informieren.

Frage 7: Führung von Teams ist eines der Kernthemen in diesem Studiengang. Was konnten Sie als Führungskraft aus den Tagen mit Prof. Dr. Wolfgang Jenewein mitnehmen?

Da gibt es einige Aspekte. Geblieben ist mir, dass es für die Führung von Mitarbeitenden kein einfaches Patentrezept gibt. Die Bedingungen für klassische transaktionale (Management by Objectives) Führungsweisen haben sich aber in den letzten Dekaden stark verändert. Das Setzen von Zielen, Planen von Massnahmen, deren Umsetzung und Kontrolle von Leistungsverhalten sind nicht unwichtig geworden. Die Wirtschaftsumfelder weisen aber nicht mehr die Stabilität auf, welche eine Vorhersehbarkeit künftiger Ereignisse und eine zuverlässige Planbarkeit erlauben.

Steigende Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambivalenz bedürfen anderer Führungsaspekte, z.B. in Form der transformationalen Führung. Sie beschäftigt sich mit der Vermittlung von Sinnhaftigkeit, inspiriert, coached, setzt hohe Erwartungen, schafft Vertrauen und Optimismus. Sie vermag Change zu treiben, da sie nahe am Menschen – weniger an den Prozessen, Regeln und Strukturen ist -, und fördert Entscheidungen im Kollektiv (Schwarmintelligenz).

Frage 8: Dr. Wladimir Klitschko gibt im Studiengang tiefe Einblicke zum Thema Umgang mit Herausforderungen und was ein Manager vom Spitzensportler lernen kann. Wie haben Sie ihn erlebt?

Ich habe ihn von Anfang an sehr nahbar und authentisch erlebt – da gibt es keine unsichtbare Wand zwischen ihm und den Teilnehmenden. Er ist gleich am ersten Tag von Gruppentisch zu Gruppentisch gegangen, hat jedem die Hand geschüttelt, sich mit Wladimir vorgesellt und den Studiengang offiziell eröffnet.

Wladimir vermittelt vertiefte Einblicke in seine Erfahrungen aus der Sport- und Unternehmenswelt, teilt sehr persönliche Geschichten von seiner Kindheit bis hin zu seinem jetzigen Tun als Unternehmer und Dozent, und baut Analogien zur Managementwelt auf. Sein Fokus liegt auf dem Thema Challenge Management und wenn ich etwas von ihm mitnehme, dann dass man Dinge die man erreichen will, mit einer vollkommenen Passion tun soll – oder wie er es im positiven Sinne ausdrückt, mit einer «Obsession». Wenn man nicht nur von Dingen träumt, in einer World of «wish» lebt, sondern den Willen aktiviert, dann werden Träume zur Realität.

Frage 9: Der Lehrgang gliedert sich in vier Module, welche allesamt am Executive Campus der Universität St. Gallen stattfinden. Können Sie uns sagen, welches Modul Ihnen am besten gefallen hat?

Persönlich habe ich vor allem das Selbstmanagementmodul äusserst interessant gefunden. In Selbstreflexionsübungen hat man sich mit den eigenen Werten auseinandergesetzt, aber auch gegenseitig gespiegelt und dabei erkannt, dass nicht selten Fremd- und Selbstwahrnehmung divergieren. Wir haben Methoden kennengelernt und praktisch erprobt, um auf persönliche oder praktische Fragestellungen in Kleingruppen sowie innert kürzester Zeit auf valable Lösungsansätze zu stossen und uns mit Hilfsmitteln beschäftigt, wie man theoretische Vorhaben konkret in den Alltag transferiert.

Frage 10: Was ist Ihre nächste große Herausforderung?

Die Versicherungsbranche befindet sich derzeit in einem starken Wandel und mir wird es ein persönliches Anliegen sein, die Erkenntnisse und Überlegungen, welche ich im Studiengang gewonnen habe, auf dieser Reise konkret umzusetzen und einfliessen zu lassen.

Privat habe ich mich ebenfalls einer Challenge gestellt. Als kleiner Junge war ich angetan von der Idee, einen Selbstverteidigungssport zu erlernen. Meine Eltern haben mich aber brav zum Klavier spielen geschickt, was ich auch 16 Jahre gemacht habe. Meine Kindheitsidee hat mich aber stets begleitet und so habe ich mich im Rahmen des Studienprogramms entschlossen, von der World of Wish in die World of Will überzugehen. Ich trainiere nun 2 bis 3 Mal wöchentlich Brasilien Jiu-Jitsu, mit dem Ziel, in 2 Jahren den Blue Belt zu erlangen, um dann mein Wissen auch mit anderen zu teilen.

In diesem Sinne wünsche ich allen, die sich in der Zukunft für diesen CAS Lehrgang entscheiden, spannende Momente in einem bewegenden Studiengang.

Herzlichen Dank für die Einblicke, Herr Friedrich!

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