Markus Spettel

Alumni des Monats Februar 2019

Geschäftsführer Kur- & Bäder GmbH Bad Dürrheim

Mein Name ist Markus Spettel, ich bin 38 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Kinder. Seit Juli 2016 bin ich Geschäftsführer der Kur- und Bäder GmbH in Bad Dürrheim, seit Mai 2018 alleiniger Geschäftsführer.

Frage 1: Guten Tag Herr Spettel. Schön, dass es mit einem Gespräch geklappt hat. Welche Gedanken haben Sie, wenn Sie an die Zeit in St. Gallen zurückdenken?

Da gehen mir sehr viele Gedanken durch den Kopf. Das liegt sicherlich daran, dass es für mich sehr intensive Monate waren mit einer Vielzahl an Eindrücken und Erkenntnissen, wie ich sie seit langem nicht mehr in einem solch komprimierten Zeitfenster erleben durfte. Eine Zeit, für die ich dankbar bin, die ich nicht missen möchte und die ich jederzeit wiederholen würde. Der Mischung aus den hochkarätigen Referenten aus der Praxis sowie den Dozenten der HSG habe ich viele Impulse zu verdanken, die mich sowohl persönlich als auch im Job nachhaltig begleiten. Letztendlich waren es aber auch die vielen wertvollen und inspirierenden Gespräche mit den anderen Kursteilnehmern, die mir noch immer in Erinnerung sind.

Frage 2: Sie arbeiten im Tourismus und Gesundheitswesen. Wieso entscheidet man sich dann für ein Studium im Bereich Change und Innovation Management?

Ich bin der Meinung, die Fähigkeit sich verändern zu können und vor allem auch zu wollen sowie Innovationen im Unternehmen bewusst zu fördern, sind zwei zentrale Themen, die uns branchenübergreifend alle betreffen – und das mehr als je zuvor. Im Tourismus und Gesundheitswesen war der Markt, wie auch in anderen Bereichen, bereits in der Vergangenheit immer wieder stark im Wandel. Im Gesundheitswesen haben z.B. politische Entscheidungen in den letzten Jahren immer wieder tiefgreifende Einschnitte und Veränderungen mit sich gebracht. Auch der Urlaubsmarkt nimmt durch sich ändernde gesellschaftliche Trends, neue Anbietermodelle und den sehr starken Einzug digitaler Entwicklungen permanent an Dynamik und Komplexität zu. Die Anforderungen an neuartige Konzepte, anpassungsfähige Organisationsstrukturen und anspruchsvollere Fachkräfteprofile nehmen spürbar zu. Auch in unserem Unternehmen befassen wir uns aktuell sehr intensiv mit Zukunftskonzepten, innerhalb derer wir sowohl vorhandene Produkte, Angebote und Strukturen, als auch bisherige Geschäftsmodelle neu denken und ausrichten müssen. Das Studium Change- & Innovation Management in St. Gallen habe ich daher ganz bewusst gewählt.

Frage 3: Sie haben Ihre gesamte bisherige berufliche Karriere bei der Kur- & Bäder GmbH in Bad Dürrheim verbracht und sind seit 3 Jahren Geschäftsführer. Können Sie uns etwas zu den Entwicklungen des Unternehmens erzählen?

Ja, es sind tatsächlich bereits einige Jahre, auf die ich bei der Kur- und Bäder GmbH zurückblicken kann. Auch wenn die betrieblichen Kernaufgaben weitestgehend gleichgeblieben sind, hat sich dennoch sehr viel verändert und weiterentwickelt. So hat sich beispielsweise der ursprüngliche Gesundheitsbegriff, aus dessen Tradition unser Unternehmen und auch der Kurort entstanden ist, in den letzten Jahren stark gewandelt. Zurückliegende, teils große Einschnitte im Gesundheitswesen sowie die stärker ins Bewusstsein gerückte Eigenverantwortung für die persönliche Gesundheit, auch in Verbindung mit dem nach wie vor wachsenden Wellnessmarkt, haben das Augenmerk unserer Aktivitäten immer mehr weg vom Patienten, hin zum selbstzahlenden Gesundheitsurlauber in unterschiedlichsten Ausprägungen gelegt. Sowohl der kontinuierliche Ausbau der Gesundheits- und Wellnessinfrastruktur, insbesondere durch wichtige Investitionen in unsere Thermen- und Saunalandschaft, als auch der Ausbau der ergänzenden Freizeitangebote und -einrichtungen, beispielsweise in Form von Rad- und Wanderwegen, der neuen Adventure-Golf-Anlage etc. sind wesentliche Resultate dieser Entwicklung. Damit einhergehend haben sich natürlich auch die Anforderungen an die Kommunikation gewandelt. Eine wesentliche Entwicklung, die wir in diesem Zusammenhang auch zukünftig noch stärker in den Fokus rücken wollen, ist das veränderte Bewusstsein, dass unsere Arbeit nicht primär nur für den Touristen oder auch Patienten da ist, sondern in erster Linie für den Ort, die Region und damit die Menschen, die dort leben und daran partizipieren. Bisherige Standard-Kennzahlen, wie die reine Erfassung der Übernachtungszahlen und Gästeankünfte, werden daher vermehrt durch qualitative Faktoren, wie Gesamt-Wertschöpfung, Freizeitwert und letztendlich die Standortqualität des gesamten Lebensraumes ergänzt und aufgewertet. Diese Effekte gilt es für uns zunehmend verständlich herauszuarbeiten, um eine Akzeptanz der touristischen Maßnahmen und Aktivitäten, insbesondere bei den Einheimischen zu erreichen und dadurch ein starkes Wir-Gefühl sowie eine gemeinsame Identität schaffen zu können. Ein professionelles und konsequentes Innenmarketing hat sich daher in den letzten Jahren zunehmend zu einem wesentlichen Erfolgsfaktor entwickelt.

Frage 4: Auch Ihre Branche befindet sich aufgrund von neuen Wettbewerbern im Wandel. Mit welchen Herausforderungen ist Ihr Unternehmen derzeit konfrontiert?

Ja, die Branche ist im Wandel und der Wettbewerb wächst zunehmend – und dies längst nicht nur im bestehenden traditionellen Mitbewerberumfeld der Heilbäder und Kurorte in Deutschland. Immer mehr neue Gesundheits- und Wellnessanbieter sowohl im nationalen, als auch internationalen Markt, werben um dieselben Gäste. So sind beispielsweise in den letzten Jahren vielzählige neu attraktive Thermen- und Badelandschaften, Wellnessresorts, Spa-Einrichtungen etc. in den verschiedensten Destinationen entstanden und entstehen auch weiterhin. Der Druck, durch stetige Investitionen in die eigene Infrastruktur mit dem Wettbewerb Schritt halten zu können, wächst dadurch zunehmend. Eine vor allem durch das Internet bestehende sehr hohe Markttransparenz, der zunehmende Vergleich über Bewertungsplattformen, soziale Netzwerke, Reiseblogs oder sonstige digitale Communities, stellen uns zusätzlich immer mehr vor die Herausforderung, Alleinstellungsmerkmale zu schaffen, positiv herauszustechen und damit einer zunehmenden Austauschbarkeit der Anbieter untereinander zu entgegnen. Dazu kommt, dass die Ansprüche des Gastes stetig steigen, immer individueller werden und sich schnell auch wieder ändern können, ganz nach dem Motto: «Was heute in ist, ist morgen out». Letztendlich geht es unterm Strich aber auch nach wie vor immer darum, Bedürfnisse zu erfüllen. Statt die «nackten» Angebotsfakten zu kommunizieren, muss es uns daher zunehmend gelingen, den individuellen Nutzen für den Gast noch stärker zu betonen und ihn genau an diesem Punkt abzuholen. Wir müssen wissen, geht es ihm rein um Erholung bzw. die kurze Auszeit vom Alltag, geht es ihm um Regeneration bzw. Wiederherstellung der Gesundheit oder des Wohlbefindens oder z.B. einfach nur darum, einen schönen Tag in entspanntem Ambiente zu verbringen und am Abend mit einem Lächeln ins Bett zu fallen. Für uns bedeutet dies, unseren Fokus immer mehr auf den direkten und möglichst individuellen Dialog mit unseren Gästen zu richten. Wer seine potentiellen Gäste bzw. deren Wünsche und Bedürfnisse besser kennt und diese damit zielgerichteter bedienen kann, hat sicherlich auch einen wesentlichen Vorsprung im Wettbewerb. Hier mithalten zu können wird zukünftig ebenfalls eine der zentralen Herausforderungen für uns darstellen.

Frage 5: Heutzutage steigen die Anforderungen an Führungskräfte immer weiter an. Welche Werkzeuge konnten Sie aus dem Selbstmanagement-Modul für sich mitnehmen?

Mir der eigenen Wirkung bewusst zu sein und mich sich selbst immer wieder aktiv zu reflektieren ist eine der zentralen Anforderungen, die ich an mich stelle. Wiederkehrende Rituale im Alltag, ein bewusster Umgang mit den eigenen körperlichen Ressourcen und genügend Ausgleich zum beruflichen Alltag helfen zudem dabei, die nötige Motivation und letztendlich die persönliche Resilienz zu erhalten. Aus dem Selbstmanagement-Modul konnte ich dazu als wesentliche Erkenntnis für mich mitnehmen, dass es stark darauf ankommt, wie sich die eigenen Gedanken zusammensetzen und sich schließlich im eigenen «Tun» äußern. «If I control my mind, I control everything» ist eine für mich zusammenfassende zentrale Aussage, die mir hierzu aus dem Vortrag von Wladimir Klitschko im Gedächtnis bleibt. Der von ihm signierte Boxhandschuh mit dieser Aufschrift steht bei mir im Büro und erinnert mich täglich daran.

Frage 6: Welche Referenten haben Ihnen am besten gefallen?

Es ist recht schwierig, mich hier festzulegen. Die Qualität der Dozenten war meiner Ansicht nach durchgängig auf einem sehr hohen Niveau. Gleich zu Beginn haben mich beispielsweise die Ausführungen von Prof. Jenewein direkt abgeholt und mich für den weiteren Verlauf des CAS-Studiums stark motiviert. Aber auch aus den Vorlesungen von Prof. Herrmann oder Prof. Tomczak konnte ich sehr viel Input mitnehmen. Von Seiten der Praktiker haben mich insbesondere Persönlichkeiten wie Rolf Schumann, Jean Remy von Matt, Gründer der Agentur Jung von Matt und natürlich auch Wladimir Klitschko selbst mit seinen Prinzipien nachhaltig beeindruckt.

Frage 7: Ihr Unternehmen gehört mit 250 Mitarbeitern zu den grössten Arbeitgebern der Stadt. Was konnten Sie für Ihre Personalführung aus dem Lehrgang mitnehmen?

Nach meinem Verständnis geht es bei der Personalführung primär darum, Vorbild zu sein. Das bedeutet für mich, den Menschen, die einen im Unternehmen begleiten, auf Augenhöhe zu begegnen, sie zu motivieren und für ein gemeinsames Ziel zu begeistern. Richtiges Zuhören, das «Warum» und damit die Sinnhaftigkeit des Tuns erklären sowie Wertschätzung und gegenseitiges Vertrauen, bilden aus meiner Sicht die hierfür wesentlichen Basisfaktoren. Das setzt auch voraus, Fähigkeiten und Kompetenzen zu erkennen und diese aktiv zu fördern, um letztendlich gemeinsame Spitzenleistungen zu erzielen. Ein für mich in Erinnerung bleibender Satz, welcher mich zum Thema Personalführung seit der ersten Modulwoche in St.Gallen begleitet, lautet: «Das höchste Gut der Führungskraft ist es, Menschen darin zu begleiten, besser zu werden als man selbst». Ich denke, das ist definitiv ein Privileg, dessen man sich als Führungskraft stets bewusst sein sollte. Letztendlich kann das aber nur funktionieren, wenn diese Überzeugung tief im Unternehmen verankert ist und auch gelebt wird, was damit in der Regel nicht von heute auf morgen geschehen kann, sondern eine nachhaltige Investition in die Unternehmenskultur bedingt.

Frage 8: Als regional verankertes Unternehmen kommen wahrscheinlich ein Grossteil der Mitarbeiter sowie eine Vielzahl der Gäste aus der Region. Wie würden Sie Ihre Unternehmenskultur beschreiben und wie wichtig ist diese für den Erfolg?

Wir sind aus der Tradition heraus schon immer sehr regional verankert gewesen. Unsere Gäste kommen tatsächlich zum weitaus größten Teil aus Baden-Württemberg und den benachbarten Bundesländern. Wichtigster ausländischer Quellmarkt ist für uns die Schweiz, was zu einem wesentlichen Teil in der sehr grenznahen Lage begründet liegt. Unsere Unternehmenskultur ist grundsätzlich geprägt von einem starken Service-, Qualitäts- und Dienstleistungsgedanken. Unsere Mitarbeiter sind die Quelle unseres Erfolgs und jeder einzelne ein wichtiger Botschafter unseres Unternehmens. Die meisten unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber auch unserer Partner und Lieferanten stammen aus der Region und letztendlich fließt nahezu alles was wir tun als Wertschöpfung in den Ort und die Region zurück. Verantwortliches Handeln und ein bewusster Umgang mit unseren Ressourcen sind uns sehr wichtig, dazu gehört z.B. auch die Förderung der lokalen Betriebe sowie die Unterstützung des sozialen und ehrenamtlichen Engagements vor Ort. Bereits im Jahr 2014 wurden wir vom Land Baden-Württemberg als eine der ersten Städte mit dem Zertifikat «Nachhaltiges Reiseziel» ausgezeichnet. Um dem Anspruch eines umfänglichen nachhaltigen Engagements gerecht werden zu können, handelt es sich unserer Betrachtung nach allerdings niemals um einen abgeschlossenen Status, sondern um einen kontinuierlichen Prozess der Verbesserung, verbunden mit dem permanenten Willen zur Weiterentwicklung. Dies würde ich als wichtigen Teil unserer Philosophie und damit auch unseres Erfolgs bezeichnen.

Frage 9: Im Rahmen der Weiterbildung wird sehr darauf geachtet, Führungskräfte aus unterschiedlichen Branchen zusammenzubringen. Können Sie uns etwas zum Austausch mit Ihren Studienkollegen erzählen?

Gerade der Querschnitt aus den verschiedenen Branchen macht den Austausch untereinander noch interessanter und wertvoller. Am Schluss stellt sich auch immer wieder heraus, dass die Herausforderungen, unabhängig von der Branche, oftmals dieselben sind. Gerade im Hinblick auf aktuelle Digitalisierungsthemen, aber beispielsweise auch im Hinblick auf Herausforderungen im Bereich der Personalgewinnung sowie grundsätzlicher Führungsfragen, war der interdisziplinäre Erfahrungsaustausch zwischen den unterschiedlichen Branchen für mich sehr bereichernd. Der persönliche Kontakt und Austausch mit den Studienkollegen, sei es während der Pausenzeiten, als auch bei den gemeinsamen Abendveranstaltungen und Aktivitäten, zählt für mich rückblickend zu den wesentlichen Mehrwerten des CAS-Studiums.

Frage 10: Mit welchen beruflichen Zielen sind Sie in das Jahr 2019 gestartet?

Wie bereits unter der Fragestellung zu den Entwicklungen des Unternehmens erläutert, besteht eine zentrale Herausforderung für uns Destinationen, in denen eine Vielzahl an unterschiedlichen Interessen und Ansprüchen unterschiedlichster Ausprägungen aufeinandertreffen, in der Identitätsbildung und der Schaffung eines starken «Wir-Gefühls». Der Kur- und Bäder GmbH kommt hierbei als «Destinationsmanagementorganisation» eine zentrale Bedeutung und Verantwortung zu, der ich mich noch mehr als bisher stellen möchte. Ein wesentliches Ziel, mit dem ich ins Jahr 2019 gestartet bin, ist es daher, den Zusammenhalt und das Bewusstsein für den Wirtschaftsfaktor Tourismus im Ort zu stärken, Innovationsbereitschaft im Unternehmen zu fördern und vor allem bei allen Beteiligten Begeisterung für die zukünftig anstehenden Veränderungen zu wecken. Konkret bedeutet das, dass ich mich im Jahr 2019 neben den wirtschaftlichen und infrastrukturellen Zielsetzungen zusätzlich stark auf das Thema Innenmarketing konzentrieren möchte. Denn nur wenn es gelingt, eine gemeinsame Identität zu schaffen und wir alle stolz sind auf das, was wir tun, kann auch die tägliche Arbeit und das Marketing glaubwürdig und erfolgreich nach außen strahlen. Bereits meine Neujahrsansprache hatte ich daher unter das Motto des chinesischen Sprichworts: «Nicht der Wind bestimmt die Richtung, sondern wie wir das Segel setzen» gestellt. Diesem Satz folgend möchte ich das Unternehmen und die gesamte Tourismusentwicklung der Stadt gemeinsam mit der ganzen «Mannschaft» auf Erfolgskurs halten.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Spettel!

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