Change Talk mit Dr. Philipp Rösler

Gesellschaftliche Veränderung
Vizekanzler a.D. Deutschland

"Du musst die Fähigkeit haben andere Menschen motivieren zu können um eine getroffene Entscheidung gemeinsam und erfolgreich umzusetzen."

Wir nehmen euch mit in die Lehre unserer Themen hier an der HSG und dafür sprechen wir mit Persönlichkeiten aus Gesellschaft, Wirtschaft und Politik.
Mein heutiger Gesprächspartner ist Philipp Rösler.
Philipp war Vizekanzler in Deutschland, hat danach das World Economic Forum geleitet und kennt die Facetten aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft wie kaum ein anderer.
Wir sprechen heute über Veränderung.
Wie begeistert man Menschen für Veränderungen?
Und haben wir als Gesellschaft eigentlich die Chance, wieder stärker zusammenzurücken?
Gehen wir rein ins Gespräch mit Philipp.
Herzlich willkommen, Philipp.
Vielen Dank.
Schön, dass du hier bist an der HSG.
Gerne.
Vielen, vielen Dank für deine Zeit.
Herzlich willkommen.
Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer.
Wir freuen uns, dass ich mit dir ein kurzes Gespräch führen darf.
Erzähl uns doch bitte einmal ganz kurz, was du gerade machst.
Wir wissen, was du in der Vergangenheit gemacht hast.
Du warst Vizekanzler in Deutschland, du warst beim World Economic Forum.
Was machst du aktuell?
Also ich habe eine kleine Beratung in Zug und es geht quer durch alle Industrien und die haben eigentlich nur eins.
Entweder es sind Institutionen, Firmen, manchmal auch Einzelpersonen, die haben eine Herausforderung, die haben Gelegenheit ein Problem und ich helfe das Problem zu lösen mit Hilfe von Wissen und Kompetenz.
Das ist eher weniger der Fall.
Oder aber Netzwerk und das funktioniert ganz gut und es geht halt weltweit und ich mache sehr viel in Südostasien, insbesondere in Vietnam.
Schön spannend.
Ich glaube, du hast angesprochen, du bist ja in der ganzen Klaviatur unterwegs, also Gesellschaft, Politik.
Jetzt geht es bei uns im Programm, aber auch bei vielen Firmen extrem um Veränderungen.
Wie begeistert man denn Menschen in der Wirtschaft und in der Politik für Veränderungen?
Wie nimmt man die Menschen auf diese Reise mit?
Das ist in der Tat die entscheidende Frage und beschäftigt sich viel mit der Wie geht politische Führung oder Führung allgemein?
Und ich habe immer so eine Theorie, dass drei Dinge gehören dazu.
Erstens den Mut zu haben, Entscheidungen zu treffen.
Zweitens möglichst kompetente Entscheidungen zu treffen.
Und drittens und das ist die Antwort auch auf deine Du musst die Fähigkeit haben, andere Menschen motivieren zu können, um eine getroffene Entscheidung gemeinsam und erfolgreich umzusetzen.
Und diese Fähigkeit zur Motivation ist, glaube ich, das Entscheidende.
Einer oder eine alleine wird eigentlich keine große Herausforderung schaffen.
Du brauchst immer andere.
Und für diese Motivation, glaube ich, braucht es dann eben auch die Fähigkeit, Geschichten erzählen zu können.
Eine Vision aufzuzeigen, warum mache ich das eigentlich?
Und ich glaube, das fehlt ganz häufig.
Aber wenn man das hat, dann ist das wahrscheinlich ein sehr mächtiges Instrument.
Also auch so ein positives Zukunftsbild irgendwo zurzeit?
Genau, ein positives Zukunftsbild.
Man hat ja immer dieses halte ja auch in der Wirtschaft ein Modell.
Wie bringe ich Leute dazu, Schiffe zu bauen?
Ich kann denen zeigen, wie man aus Holz ein Schiff zimmert oder ich lehre ihnen die Sehnsucht nach dem Meer.
Und ich glaube, der letzte Teil, das ist das, was mit Motivation heutzutage gemeint ist.
Und das zeigt eben auch die Schwierigkeit zum Beispiel in der Politik, weil eher mit Negativ Campaigning heute Politik gemacht wird, als mit einer positiven Erzählung.
Ich glaube, viele von uns haben auch irgendwo das Gefühl, dass diese Negativität die Gesellschaft irgendwo auseinanderdriftet.
Wir spalten uns mehr heutzutage, dass wir uns einen, ohne jetzt in irgendeine Richtung zu gucken.
Aber glaubst du, dass wir als Gesellschaft, wenn wir jetzt Europa betrachten, noch eine Chance haben, durch KI, durch Social Media, durch verschiedene Strömungen wieder näher zusammenzurücken?
Und wenn ja, was muss da passieren?
Ich glaube, eines ist deutlich geworden.
Schwierigkeiten ist es ja immer.
Dieses Negativ Campaigning kommt davon, wenn es eine Gesellschaft gibt, die eher Verlustängste hat und in Mittelschicht Abstiegsängste hat.
In anderen Gesellschaften, wo es gerade richtig boomt, in Asien, Südostasien, da ist das Gegenteil der Fall.
Da hat man Zukunftsvisionen, Wachstumsträume, Zukunftsträume.
Und wenn man jetzt die neuen Technologien sieht, ich glaube, dann begreift man eher, dass es auch eine Chance ist für eine Gesellschaft, weil man sieht, wie andere in Südostasien zum Beispiel die neuen Technologien nutzen, um die sagen ja zu leapfroggen, also in das neue Zeitalter zu springen, dadurch in das Zeitalter von Wachstum und Wohlstand zu kommen.
Wenn man das dann sieht, dann muss man Hey, lass uns das auch nutzen.
Das ist nicht nur für die neu, auch für uns neu.
Und das ist nicht nur für die eine Chance, sondern auch für uns.
Lass uns doch diese Chance nutzen.
Und ja, es wird ja oft viel Negatives über dann auch KI gerät und so weiter.
Und ja, es bringt auch viele Veränderungen, aber am Ende können auch ganz viele tolle Dinge damit gemacht werden.
Es können Krankheiten schneller geheilt werden.
Wenn es eine Chance gibt gegen Krebs, dann vermute ich mal, wird sie dank AI zustande kommen oder eher zustande kommen und wird uns helfen, jahrzehntelange Forschung zu überspringen.
Und das alleine ist schon eine coole Botschaft und finde muss auch erwähnt werden und nicht immer nur die negativen Botschaften, die oft da mitschwingen.
Also du sagst Neugierde mit Angst ersetzen.
Absolut.
Neugierde, Schaffenskraft, auch Unternehmertum.
Ich glaube, das ist nach wie vor spannend, entscheidend für die Gesellschaft und das können wir.
Wir haben das in den letzten Jahrzehnten geschafft und gezeigt in Deutschland wie in der Schweiz.
Es spricht nichts dagegen, dass das auch in Zukunft weiter das Erfolg bringende sein wird.
Ich glaube, ein Faktor, der oftmals außer Acht gelassen wird, ist, dass Führungskräfte heute, um diesen Wandel zu schaffen, extreme Resilienz brauchen.
Wenn du an deine Vergangenheit denkst in der Politik, wo man sich oft gerieben hat, wo man wahnsinnig viel kritisiert wurde im World Economic Forum, was auch sehr politisch ist, deine ganzen Ämter, wie bist du mit Kritik umgegangen?
Wie hast du die an dich rangelassen, um besser zu werden, aber trotzdem deine politischen oder deine Überzeugungen nicht über Bord geworfen?
Also wie bist du als Mensch dir treu geblieben?
Also man muss, glaube ich, von der Vielzahl, die so an Kritik kommt oder an Schulungen, da könnte man so Pi mal Daumen 90, 95 Prozent, naja, das ist aus verschiedenen Sachen motiviert, aber nicht um dich besser zu machen, also wird für dich nicht hilfreich sein.
Aber so fünf bis zehn Prozent der Dinge, da lohnt es sich schon mal genauer hinzufügen, erstmal anfangen, relativ schnell zu entscheiden, hey, gehört Das zu den 90, 95 Prozent, die du an dir vorbeiziehen lassen solltest oder gehört das zu den wirklich 5 bis 10, wo es Sinn macht, mal drüber nachzudenken.
Wenn man das hingekriegt hat, dann hat man schon mal einen Wert an sich, nämlich diese 5 bis 10 Prozent, die dir helfen, besser zu werden und die 90, 95 Prozent an dir vorbeiziehen zu lassen.
Dafür brauchst du in der Tat ein dickes Fell.
Aber wenn du Nutzen hast und ich filter das mal mit einem gewissen Zweck nicht um dagegen abzustumpfen, sondern um die guten Sachen rauszufiltern, dann fällt es ein bisschen einfacher.
Ganz einfach ist es übrigens auch nicht.
Ein Mensch bleibt Mensch in der Beteiligung kommt, finden wir es etwas scheiße doof, aber das hilft Und ich glaube auch, wenn man irgendwo ein starkes Zukunftsbild und eine Überzeugung für dich hat, trägt es dich, also wenn du ein starkes Warum hast, warum mache ich das, trägt es dich wahrscheinlich einfacher durch Situationen hindurch und gibt dir das günstige Rückgrat.
Genau, also als ich jung war, hat man gesagt, also er braucht ein bisschen Lebenserfahrung, so einen Quatsch brauchst du nicht und so.
Jetzt würde ich mal sagen, vielleicht das, was die meinen mit Lebenserfahrung, würde ich gar nicht sehen.
Aber so eine Erfahrung, eine gewisse Gelassenheit, die fehlt ja eher, wenn man jung ist und die tut, glaube ich, ganz gut.
Und je gelassener man ist, desto entspannter kann man auch sein bei Kritik und sich die in Ruhe anschauen und auch bei Entscheidungstreffen und auch so eine gewisse Geduld an der Taktik legen.
Geduld ist oft eine Entschuldigung für Langsamkeit, aber manchmal macht es durchaus Sinn, sich das mal in Ruhe anzuschauen.
Also Lebenserfahrung kann jetzt gar nicht so schädlich sein.
Cool.
Auf diese Erfahrung freuen wir uns, dass du im Programm bist.
Vielen Dank für deine Zeit.
Gerne.
Und auf alles Weitere, was im Studiengang folgt.
Danke dir, Philipp.

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