Dr. Gudrun Haager

CEO Hochgebirgsklinik Davos AG

"Ich durfte neulich den Begriff der Nebelkompetenzkennenlernen – ich glaube, das ist eine Herausforderung, der sich Führungskräfte heute immer mehr stellen müssen. Entscheidungen zu treffen, selbst wenn die Sicht nicht klar ist."

Frage 1: Liebe Gudrun, danke für deine Zeit! Was hat sich seit dem Abschluss des Studiengangs für dich verändert?

Seit dem Abschluss des Studiengangs hat sich einiges bei mir verändert. Zunächst durfte ich noch sehr gute und lehrreiche Jahre im Departement Immobilien & Betrieb am HOCH Health Ostschweiz verbringen. Seit Juni 2026 darf ich als CEO gemeinsam mit grossartigen Kolleginnen und Kollegen die erfolgreiche Hochgebirgsklinik Davos AG in die Zukunft begleiten. Zudem mache in an der HSG nun einen CAS Executive & Leadership Coaching, der mich enorm inspiriert und mir viele neue Lernerfahrungen gibt.

Frage 2: Was hat dich damals bewogen, den Studiengang zu absolvieren?

In meinem beruflichen Alltag, vor allen Dingen in meinen Aufgabenfeldern als Organisationsentwicklerin, war ich immer wieder mit Themen rund um Changemanagement befasst. Zudem interessiert mich das Thema Zukunftsfähigkeit von Unternehmen sehr. Im CAS Change & Innovation Management habe ich die ideale Kombination gesehen.

Frage 3: Du bist promovierte Sportwissenschaftlerin und hast dich dann Richtung Führung und Management im Gesundheitswesen entwickelt – wiekam es zu diesem Weg?

De facto war ich bereits von meinem ersten Job an im Management von Gesundheitsorganisationen tätig. An einem bestimmten Punkt habe ich gemerkt, dass ich zwar viel operativ gelernt habe, jedoch mein Wissen festigen wollte und habe dann den EMBA an der Fachhochschule OST gemacht. Das war ebenfalls eine sehr gute Entscheidung.

Frage 4: Gab es einen Moment in deiner letzten beruflichen Herausforderung, der dich beruflich stark geprägt hat?

Ich durfte am HOCH Health Ostschweiz zwei grosse Projekte im Rahmen des Ergebnisverbesserungsprogramms und der Unternehmensfusion begleiten. Insbesondere die Erfahrung ein grosses Departement (über 1100 Mitarbeitende) zu fusionieren und die Menschenbestmöglich auf dem Weg mitzunehmen, war eine grosse Herausforderung und eine wertvolle Erfahrung.

Frage 5: Du bist vor kurzem zur Geschäftsführerin der Hochgebirgsklinik Davos AG ernannt worden. Wie hast du die ersten Wochenerlebt?

Naturgemäss sind die ersten Wochen intensiv und herausfordernd. Das erste Mal im Driver`s Seat zu sitzen, ist eine grosse Challenge. Aufgrund meiner Überzeugung, dass die Menschen das Wichtigste sind und wir die Herausforderungen nur gemeinsam schaffen, hat es mich umso mehr gefreut, ein wirklich tolles, partnerschaftlich agierendes HGK Team kennenzulernen. Ich bin sicher, dass wir die HGK gemeinsam und weiterhin erfolgreich in die Zukunft führen.

Frage 6: KI verändert die Arbeitswelt in vielen Bereichen, auch im Gesundheitswesen. Welche Auswirkungen spürt ihr bereits in der Praxis, und welche Potenziale siehst du für die Zukunft?

Ich glaube, wir sind bereits in der Zukunft angekommen. Insgesamt ist KI/ AI aufgrund der Vielfalt an schützenswerten Daten im Gesundheitswesen ein anspruchsvolles Thema.

Ich sehe ein grosses Potential, dass KI unseren Alltag im medizinischen und betrieblichen Alltag erleichtern wird. Ich sehe allerdings auch, dass bis lang die Digitalisierung im Gesundheitswesen den Alltag noch nicht wesentlich entlastet hat. Insbesondere aufgrund der hohen Regulationen und des Datenschutzes. Nichtsdestotrotz müssen wir agil und aktuell bleiben in der Thematik rund um KI/AI und vor allen Dingen auch vorantreiben, dass wir prozessual so aufgestellt sind, dass wir von den informationstechnologischen Entwicklungen auch wirklich profitieren.

Frage 7: Was hat dich an der neuen Stelle gereizt – und was war deine grösste Frage oder Unsicherheit, bevor du gestartet bist?

Für mich schliesst sich mit der Position an der HGK ein Kreis. Wissenschaft, Forschung, Rehabilitation, Management, Leadership. Dies sind die Themen, mit denen ich meinen persönlichen Rucksack in den letzten Jahrzehnten füllen durfte.

Ich erlebe die HGK als innovative und werteorientierte Klinik in einer wirklich ausserordentlich schönen Lage – ein perfect match also für mich.

Die grösste Frage für mich war, wie ich den Schritt auf C-Level bewältigen werde.

Mit guten Sparringpartnern an meiner Seite  ,fühlte ich mich jedoch gestärkt und unterstützt.

(credits to Philipp Haager, Julia Boysen, Michael König, Cajus Schuppli, Marcel Würmli, Thomas Sojak, Ricardo Iglesias, Eveline Mumenthaler und Flavian Angst- alle auf Linkedin).

Frage 8: Wie gehst du persönlich mit Unsicherheit um, wenn Dinge im Wandel sind – sowohl bei dir selbst als auch bei Mitarbeitenden, die du durch Veränderungsprozesse begleitest?

Ich gehöre zu den Menschen, die durch Veränderungen Energie bekommen und mir fällt es leicht, mich auf Veränderungen einzustellen. Ich durfte neulich den Begriff der Nebelkompetenz kennenlernen – ich glaube, das ist eine Herausforderung, der sich Führungskräfte heute immer mehr stellen müssen. Entscheidungen zu treffen, selbst wenn die Sicht nicht klar ist.

Da ich Veränderungen als Chance betrachte, muss ich immer besonders darauf achten, dass ich Kolleginnen und Kollegen, die mehr Mühe damit haben, in ihren Emotionen mitnehme und gut zuhöre, was sie brauchen, um Veränderungsprozesse mitzutragen.

Frage 9: Gibt es eine Veränderung in deinem Berufsleben, die dir im Nachhinein schwerer oder leichter fiel, als du gedacht hast?

Ich glaube, es ist in der Tat die jetzige Veränderung. Ich durfte vier tolle Jahre im HOCH Health Ostschweiz verbringen und ich wusste, dass ich viel aufgeben werde, wenn ich wechsle. Umso schöner ist, dass ich zum einen noch im engen Kontakt mit meinen Kolleginnen und Kollegen vom HOCH bin, zum anderen jedoch auch wiederum ein richtig gutes HGK-Team angetroffen habe.

Frage 10: Was würdest du jemandem in der heutigen Zeit raten, der gerade vor einem grossen beruflichen Wechsel steht oder auf dem Sprung ist Führungsverantwortung zu übernehmen?

Gemäss meinem Motto: «Don`t be afraid of flying, be afraid of not flying» würde ich raten, es unbedingt aus zu probieren. Es öffnen sich immer wieder alternative Routen, auch, wenn der Weg mal steinig ist oder auch die falsche Abzweigung. Offenheit, Transparenz und Vertrauen sind für mich Werte, die mich auf meinem Weg immer begleitet haben.

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