Change Talk mit Jean-Remy von Matt

Selbstvermarktung
Gründer Jung von Matt AG

"Ich glaube, wir tendieren dazu zu viel zu kommunizieren, weil wir immer denken zu viel Stille ist nicht gut."

Mein heutiger Gesprächspartner ist einer der bekanntesten Werber in ganz Europa, Jean Rémy von Matt versteht den Aufbau von Persönlichkeitsmarken wie kaum ein anderer.
Wir sprechen heute darüber, wie Führungskräfte es schaffen, sich als Marke dauerhaft zu etablieren.
Was hat ihn an der Zusammenarbeit mit Angela Merkel, Franz Beckenbauer oder Erich Sixt so begeistert?
Und was müssen wir eigentlich tun, damit wir morgen noch relevant sind?
Gehen wir rein ins Gespräch mit Jean Rémy.
Jeremy, schön, dass du hier bist, wieder bei uns an der HSG.
Vielen, vielen Dank für die Zeit.
Wir kennen uns einige Jahre, du referierst seit einigen Jahren bei uns im Programm zum Thema Selbstvermarktung, zum Thema Human Branding.
Und mir ist mal eine Sache in Erinnerung geblieben, die du gesagt hast.
Stehst du für alles, stehst du für nichts?
Und ich glaube, das ist in der heutigen Zeit extrem wichtig zu haben, diese Klarheit für Führungskräfte, irgendwo das Ziel, was will ich?
Und wenn du jetzt mal deine ganze Vergangenheit anschaust, du hast so viele Persönlichkeiten begleitet in deinem Leben.
Du hast Menschen aus ganz unterschiedlichen Branchen, welche sind dir besonders in Erinnerung geblieben?
Und gibt es vielleicht einen Schlüssel, dass man zu einer erfolgreichen, für sich persönlich einer erfolgreichen Personenmarke wird?
Also ich fange mal hinten an bei der Personenmarke.
Kern und Basis einer starken Personenmarke müsste immer eine Leistung sein.
Das ist bei Sachmarken genau das Gleiche.
Also eine Marke muss erstmal für eine Leistung stehen, für eine verlässliche Leistung.
Das muss irgendwie so der Grundpfeiler sein.
Das gilt eben auch für Personenmarken.
Und natürlich habe ich, und das war eigentlich das Schönste oder der größte Wert, den ich aus fünf Jahrzehnten an der kreativen Front als kreativer Dienstleister gezogen habe, sind diese ganzen Begegnungen, die ich hatte.
Also was, was mir das alles ermöglicht hat, diese Türen, die sich geöffnet haben gegenüber der Wirtschaft, teilweise auch Politik, Medien sowieso, aber auch die ganzen Prominenten, mit denen wir gearbeitet haben und zu den starken Erlebnissen.
Also ich will jetzt mal Wladimir Pitschko lassen wir jetzt mal beiseite, weil er hier zu nahe steht, kennen wir auch gut.
Aber also eine sehr prägende Figur für mich war Erich Sixt, der sich aus seiner Personenmarke nie viel gemacht hat, weil es ihm einfach nicht lag.
Und er hat sich immer hinter die Unternehmensmarke gestellt.
Also für ihn war immer viel wichtiger die Unternehmensmarke, die war ihm heilig, aber er ist dahinter zurückgetreten und und wenn es mal darum ging, persönlich zu werden oder irgendwie eine Personenmarke, eine Person in den Vordergrund zu stellen, dann hat er immer seine Frau in den Vordergrund geschoben, der das viel mehr lag.
Also die hatten ein perfektes Zusammenspiel.
Also er war mehr oder weniger im Maschinenraum und hat Entscheidungen gefällt und seine Frau hat das Unternehmen hervorragend repräsentiert.
Dann zu den vielen Prominenten, mit denen wir Werbung gemacht haben, da hat mich beeindruckt Franz Beckenbauer zum Beispiel, Also viele haben mich beeindruckt, aber er besonders.
Und zwar hatte er eine sehr gute Art, Probleme wegzulächeln oder elegant wegzuargumentieren.
Ich nenne das mal offensive Gelassenheit.
Also der war dann nie jetzt belanglos, sondern er hat immer einen guten Spruch gehabt, wenn mal irgendwas gegen ihn kam, letztlich auch beim Thema WM, also da gab es ja auch einige verschiedene Strömungen, Strömungen sozusagen, aber auch bei so banaleren Sachen.
Irgendwann hat er mal ein Kind bekommen, also irgendwie und das war halt nicht legal, also es war nicht seine Ehefrau, sondern es war eine Geliebte und.
Sein legendärer Spruch, der Herrgott liebt alle Kinder.
So hat er darauf reagiert und so.
Und diese Lässigkeit, die fand ich schon sehr beeindruckend.
Leider Gottes war seine Lässigkeit wohl nicht in ihm drin.
Also ich glaube schon, dass er sehr gelitten hat unter der WM Geschichte und dass ihn das dann auch irgendwo krank gemacht hat.
Aber zumindest nach außen hat er Dinge immer sehr gut vertreten können und wen ich auch sehr beeindruckend fand und ich hab praktisch ein Jahr mit dieser Persönlichkeit verbringen können, weil wir hatten jede Woche ein Jour fix in einer ganz kleinen Runde.
Das war Angela Merkel, die auch ihrer Marke, also ihrer Personenmarke immer sehr treu geblieben ist, obwohl sie auch anders konnte.
Also im kleinen vertrauten Rahmen, wenn sie also sich frei fühlte von Gegnern von Presse, von irgendwelchen politischen Einflüssen, hat sie durchaus auch Emotion gezeigt.
Sie hat Witz gezeigt, Schlagfertigkeit, aber in ihrem Amt blieb sie ihrer Spur immer treu.
Sie kennen mich, ihre Verlässlichkeit und das ist bis heute geblieben ihr Image.
Wenn wir jetzt einmal an Managerinnen und Manager denken, die du auch viel begleitet hast, die kommunizieren oder wir kommunizieren ja alle generell pausenlos mittlerweile über Social Media, über eine interne Kommunikation ist es im Unternehmen.
Podcast ist ein Medium, was natürlich seit vielen, vielen Jahren große Einzug erhält.
Welchen Rat hättest du jetzt an Führungskräfte aus der Wirtschaft, dass sie wirksamer werden?
Du hast das Thema Verlässlichkeit angesprochen, du hast das Thema Glaubwürdigkeit angesprochen.
Was wäre so ein Rat?
Viele wollen ja auch in den Bereich Personenmarke und das ist auch eine wahnsinnig starke Währung für dich.
Was wäre so dein Rat, um diese Wirksamkeit zu erhöhen?
Ich glaube, wir tendieren eher dazu, zu viel zu kommunizieren, weil wir die Möglichkeiten haben, weil wir immer zu viel Stille ist nicht gut.
Ich muss meine Follower wieder mal bedienen.
Ich muss mal zeigen, dass ich noch da bin, dass ich eine Meinung habe.
Aber und das verführt dazu, zu Themen zu kommunizieren, zu denen man eigentlich gar nichts zu sagen hat, also quasi auf jede Frage eine Antwort zu haben.
Und ich glaube, was sowieso sinnvoll ist, ist wenn man ein klares Zielbild definiert, also ein klares Ziel Image und sich das eigentlich immer vor Augen hält und nur kommuniziert, was geeignet ist, dieses Zielbild mit Sinn zu füllen und eben nicht über jedes Stöckchen springt, was einem hingehalten wird.
Und es werden einem sehr viele Stöckchen hingehalten.
Also man hat permanent Möglichkeiten, irgendwas von sich zu geben und ich glaube, der Versuchung sollte man eher widerstehen und lieber, wenn es dann mal passt, dann sich richtig äußern und nicht nur ein Einzeiler.
Das bringt uns bisschen zur Stehst du für alles, stehst du für nichts?
Auch ein bisschen.
Also sich deine eigene Zielpositionierung klar zu werden, was möchte ich, was möchte ich nicht?
Das ist oftmals wichtiger zu wissen, was ich nicht möchte.
Also man sagt ja, man sollte nicht auf jeder Hochzeit tanzen und man sollte auch nicht jede Hochzeit kommentieren, sondern man sollte nur kommentieren, wo man an seiner eigenen Marke oder wo man aus seiner eigenen Kompetenz einen wertvollen Beitrag bieten kann.
Super.
Wir freuen uns sehr, dass du wieder dabei bist und dass du dein Wissen über so viele Jahre bei uns weitergibst.
Danke dir.
Ich freue mich auch.
Ich freue mich immer in meiner Heimat zu sein, wenn auch St.
Gallen nicht meine Heimatstadt ist, aber ich freue mich hier zu sein.
Danke dir.

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