



Lisa Seefeldt
Transformations Managerin
"Ich glaube, dass Führung heute weniger bedeutet, auf alles eine Antwort zu haben, sondern Orientierung zu geben – gerade dann, wenn noch nicht alle Antworten feststehen."
Frage 1: Liebe Lisa, vielen Dank für deine Zeit. Rückblickend: Was hat sich seit dem Abschluss des Studiengangs für dich verändert und welchen Einfluss hatte er auf deinen beruflichen oder persönlichen Alltag?
Der Studiengang hat meinen Blick auf Führung und Transformation nochmals erweitert und geschärft. Besonders wertvoll war für mich der Austausch mit erfahrenen Führungspersönlichkeiten aus unterschiedlichen Branchen im Studiengang. Er hat mich darin bestärkt, Fragestellungen noch häufiger aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und eigene Erfahrungen kritisch zu reflektieren. Gerade dieser Perspektivwechsel hat meinen Blick auf Führung und Veränderung nachhaltig geprägt.
Ich habe mir nach über 25 Jahren in internationalen Führungsrollen bewusst Zeit genommen, um mich weiterzubilden und meine Erfahrungen zu reflektieren. Der CAS hat mich darin bestärkt, Veränderungen noch konsequenter als Zusammenspiel von Strategie, Organisation, Technologie und Menschen zu verstehen – und genau diese Perspektive prägt heute mein Denken und Handeln.
Frage 2: Welche Ziele oder Herausforderungen haben dich damals dazu bewegt, den Studiengang zu wählen?
Mich haben vor allem mein Interesse und die Begeisterung für die Themen des Studiengangs motiviert. Veränderung, Innovation und Leadership haben mich während meiner gesamten Laufbahnbegleitet. Gleichzeitig war es mir wichtig, die Themen, mit denen ich mich seit vielen Jahren in der Praxis beschäftige, wissenschaftlich zu vertiefen und neue Perspektiven kennenzulernen.
Gerade im Executive-Bereich halte ich es für entscheidend, sich nicht nur auf Erfahrung zu verlassen, sondern das eigene Denken immer wieder zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Genau dafür hat mir der Studiengang den richtigen Rahmen geboten.
Frage 3: Du bringst über 25 Jahre Erfahrung in der Finanzbranche mit, viel davon im Bereich Digital & Business Transformation– wie kam es zu diesem Karriereweg?
Mein Karriereweg war weniger geplant, er war viel mehr das Ergebnis meiner Neugier und der Freude daran, Dinge weiterzuentwickeln. Gestartet bin ich im Vertrieb und Business Management. Mit der Zeit haben mich jedoch zunehmend die Fragen fasziniert, wie Organisationen Veränderungen erfolgreich gestalten, sich weiterentwickeln und Menschen für neue Wegegewinnen können.
So entwickelte sich mein Schwerpunkt zunehmend in Richtung Strategie, Transformation und Digitalisierung. Veränderung verstehe ich dabei nicht als Selbstzweck, sondern als Chance, Organisationen zukunftsfähig aufzustellen – sei es durch organisatorische Weiterentwicklung, neue Geschäftsmodelle, technologische Innovationen oder veränderte Formen der Zusammenarbeit. Genau diese Vielfalt macht Transformation für mich bis heute so spannend.
Frage 4: Wenn du auf deine berufliche Laufbahn zurückblickst: Gibt es einen besonderen Moment oder Erfolg, auf den du besonders stolz bist?
Es gibt nicht den einen Erfolg, auf den ich besonders stolz bin. Wenn ich zurückblicke, sind es vor allem die Momente, in denen wir gemeinsam als Team etwas Grosses erreicht haben.
Die grössten Erfolge entstehen dabei selten durch Einzelne, sondern dann, wenn Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven gemeinsam an einem Ziel arbeiten. Ob die Einführung einer neuen digitalen Plattform, eine komplexe Integration oder eine umfassende organisatorische Veränderung – es macht mich besonders stolz, wenn Menschen in meinem Team Verantwortung übernehmen, über sich hinauswachsen und dadurch etwas erreichen, das zunächst fast unmöglich schien. Zu erleben, wie ein Team für eine gemeinsame Vision brennt und am Ende gemeinsam Erfolg hat, ist für mich bis heute die grösste Motivation.
Frage 5: Führung und Leadership spielen im Programm eine zentrale Rolle. Wie würdest du deinen Führungsstil beschreiben, insbesondere wenn es darum geht, Teams erfolgreich durch Veränderungen zu führen?
Ich bin überzeugt, dass erfolgreiche Veränderung mit Vertrauen beginnt. Deshalb ist es mir wichtig, Menschen früh einzubeziehen, Orientierung zu geben und transparent zu kommunizieren – auch dann, wenn noch nicht auf jede Frage eine Antwort existiert. Ehrlichkeit schafft Glaubwürdigkeit.
Widerstand ist für mich dabei erst einmal kein Problem, sondern ein wichtiges Signal. Er zeigt häufig, dass noch Fragen offensind, Sorgen bestehen oder der Sinn einer Veränderung noch nicht ausreichend greifbar ist. Dann lohnt es sich, die eine oder andere zusätzliche Schleife zudrehen, zuzuhören und den Dialog zu suchen.
Am Ende wird nicht jede Entscheidung auf Zustimmung treffen. Mein Anspruch ist jedoch, dass die Menschen nachvollziehen können, warum eine Entscheidung getroffen wurde. Wenn dieses Verständnisentsteht, wächst auch die Bereitschaft, Veränderungen aktiv mitzugestalten.
Frage 6: Welche Kompetenzen werden deiner Meinung nach für Führungskräfte in Zukunft am wichtigsten – gerade im Umgang mit permanentem Wandel?
Ich glaube, dass Führung heute weniger bedeutet, auf alles eine Antwort zu haben, sondern Orientierung zu geben – gerade dann, wenn noch nicht alle Antworten feststehen. Veränderung bringt immer Unsicherheit mit sich. Umso wichtiger ist es, transparent zu kommunizieren und Entscheidungen nachvollziehbar zu machen.
Gleichzeitig wird die Bereitschaft, selbst kontinuierlich zu lernen, immer wichtiger. Wer Veränderungen gestalten will, muss neugierig bleiben, unterschiedliche Perspektiven zulassen und bereit sein, das eigene Denken immer wieder zu hinterfragen. Für mich ist genau diese Kombination aus Klarheit, Lernbereitschaft und der Fähigkeit, Menschen für gemeinsame Ziele zu gewinnen, eine der entscheidenden Kompetenzen für Führung in einer Welt des permanenten Wandels.
Frage 7: Welche dieser Kompetenzen wird deiner Ansicht nach heute noch am meisten unterschätzt, und warum?
Ich glaube, dass die Fähigkeit, eine echte Lern- und Fehlerkultur zu schaffen, nach wie vor unterschätzt wird. Viele Organisationen sprechen darüber – sie wirklich zu leben, ist jedoch deutlich anspruchsvoller.
Für mich bedeutet Fehlerkultur nicht, dass alles erlaubt ist. Sie bedeutet, ein Umfeld zu schaffen, in dem Menschen Ideen einbringen, Dinge ausprobieren und auch offen über Fehler sprechen können, ohne Angst vor Schuldzuweisungen zu haben. Gleichzeitig braucht es klare Verantwortung und Grenzen – dort, wo Risiken für Kunden, Mitarbeitende oder das Unternehmen entstehen.
Gerade diese Balance aus Offenheit und Verantwortungsbewusstsein ist entscheidend. Denn Innovation entsteht nur dort, wo Menschen den Mut haben, neue Wege zu gehen, ohne dabei den Blick für Qualität und Verlässlichkeit zu verlieren.
Frage 8: Inwiefern hat der Austausch mit Teilnehmenden aus unterschiedlichen Branchen deinen Blick auf Veränderungen, Führung oder Innovation erweitert?
Der Austausch mit Teilnehmenden aus unterschiedlichen Branchen war für mich einer der grössten Mehrwerte des Studiengangs. Obwohl die Rahmenbedingungen oft sehr unterschiedlich sind, ähneln sich die zentralen Herausforderungen erstaunlich: Wie gelingt Veränderung? Wie nimmt man Menschen mit? Wie schafft man Innovation, ohne Stabilität zu verlieren?
Besonders spannend war für mich zu erleben, wie unterschiedlich Organisationen diese Fragen beantworten. Der Blick über die eigene Branche hinaus eröffnet neue Perspektiven und zeigt, dass gute Ideenselten an Branchengrenzen enden. Viele Impulse lassen sich mit etwas Offenheit auf den eigenen Kontext übertragen – oft gerade dann, wenn sie aus einer völlig anderen Welt stammen.
Frage 9: Gibt es ein Modell, Tool oder einen Denkansatz aus dem Studiengang, den du bis heute im Berufsalltag nutzt?
Natürlich nutze ich viele der Modelle und Werkzeuge aus dem Studiengang bis heute. Der grösste Mehrwert liegt für mich jedoch darin, dass sie meine Art zu denken verändert haben.
Sie haben meinen Blick auf Veränderung und Innovationgeschärft und mir gezeigt, wie wichtig es ist, Herausforderungen aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Heute denke ich noch stärker in Zusammenhängen und stelle häufiger die Frage, welche langfristigen Auswirkungen Entscheidungen auf Organisation, Menschen und Geschäftsmodell haben.
Frage 10: Welchen Rat würdest du jüngeren Führungskräfte geben, die sich in ihrer Rolle weiterentwickeln möchten und in Richtung Führung oder Transformation gehen wollen?
Ich würde jungen Führungskräften vor allem raten, neugierig zu bleiben und bewusst den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus zu richten. Gute Führung entsteht nicht dadurch, dass man auf alles eine Antwort hat, sondern dadurch, dass man bereit ist, ständig dazuzulernen und unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen.
Genauso wichtig ist es, sich nicht in Gegensätzen zu verlieren. Führung bedeutet heute selten ein „Entweder-oder“. Viel häufiger geht es darum, scheinbare Gegensätze miteinander zu verbinden –Stabilität und Veränderung, operative Exzellenz und Innovation sowie Klarheit und Empathie. Wer lernt, diese Balance zu halten, wird langfristig erfolgreicher führen.
Seit über 25 Jahren begleite ich Organisationen in Veränderungsprozessen – zunächst im Vertrieb und Business Management, später in internationalen Führungsrollen mit Schwerpunkt auf Strategie, Transformation und Digitalisierung. Seit elf Jahren lebe ich mit meiner Familie in der Schweiz. Mich begeistert die Frage, wie Organisationen Wandel erfolgreich gestalten können, ohne den Menschen aus dem Blick zu verlieren.
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Herzlichen Dank an Lisa Seefeldt für die spannenden Eindrücke!
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